Die Tulpe – Gedicht

In Anlehnung an Josef Guggenmoos‘ berĂŒhmtes Gedicht „Die Tulpe“, das wir aus Copyright-GrĂŒnden hier leider nicht abbilden dĂŒrfen, haben wir dafĂŒr ein anderes Tulpengedicht fĂŒr Sie.

Mehr Blumengedichte.

Die Tulpe: Fein geschwungen,
viel besungen.
Foto von Gio Bartlett auf Unsplash

Die Tulpe

Ein GĂ€rtner steckte sinnend
eine Zwiebel in die Erden.
Sprach, die Arme in den HĂŒften:
„Dies soll eine Tulpe werden.“

FĂŒr die Tulpe, noch verschlossen
begann eine dunkle Zeit.
Nicht bewundert, kaum begossen:
Der FrĂŒhling war noch weit.

Nicht viel spĂ€ter jedoch spĂŒrt sie
wie es von oben wÀrmlich zieht
und sie macht sich langsam auf
in die Richtung, die sie mied.

„Was schmeichelt mir so krĂ€ftig,
von dort oben zu mir her?“
Und die Tulpe, ganz geschÀftig,
lĂŒstet es plötzlich nach mehr.

Sie lÀsst sich ein Köpflein wachsen
und reckt und streckt sich schlicht
eh man vernimmt ein leises Knacksen
als sie durch die OberflÀche bricht.

Blinzelnd, leicht geblendet,
so gefÀllt ihr, was sie sieht
sie wÀchst und wÀchst noch weiter
als ob sie nach oben flieht.

Und schon, nach wen’gen Tagen
öffnet sie die BlĂŒte auf
und hört schon jemand sagen:
„Na schau, du kamst herauf!“

Es ist der GĂ€rtner wieder,
der ihre Zwiebel einst vergrub.
Er lĂ€sst sich zu ihr nieder –
und die Welt, sie war jetzt gut.

Wenn Ihnen dieses Tulpen-Gedicht gefiel (oder wenn sie einfach froh sind, dass Tulpe hier nicht ein einziges Mal auf „Nulpe“ gereimt wurde), dann freuen Sie sich vielleicht ĂŒber weitere Blumen– oder Naturgedichte 🙂

Ich möchte noch ein bisschen ĂŒber das Gedicht von Josef Guggenmoos sprechen.

Es geht los mit:

„Dunkel
war alles und Nacht.“

Das ist ein grandioser Anfang fĂŒr das Leben aus Sicht einer Tulpe. Das Dunkel prangt wie die Szenenbeschreibung am Anfang. DUNKEL!

Aber es war nicht nur dunkel, es war auch Nacht. Alles war Nacht – alles schlĂ€ft, wenn Nacht ist.

„In der Erde tief
die Zwiebel schlief
die Braune.“

Die Tulpe, bzw. ihre Zwiebel, wird hier vermenschlicht. Sie schlĂ€ft in dieser Nacht. FĂ€nden Sie es nicht auch ein bisschen unheimlich, so in völliger Finsternis, in vollkommener Nacht? Wie fĂŒhlt sich die Zwiebel? Fast schon ein Segen, dass sie schlĂ€ft. Sie scheint entspannt. Schlummernd, in ihrer eigenen Welt.

Aber warum der Fokus auf die braune Farbe?

„Was ist das fĂŒr ein Gemunkel,
was ist das fĂŒr ein Geraune,
dachte die Zwiebel,
plötzlich erwacht.
Was singen die Vögel da droben
und jauchzen und toben?“

Vielleicht das „Braune“ nur erwĂ€hnt, um einen Reim fĂŒr das „Geraune“ zu haben? Schwer zu sagen. FĂ€llt Ihnen eine andere Interpretation ein?

Was ist das also fĂŒr ein Gemunkel und Geraune, warum hat sie das vorher nicht gehört? NatĂŒrlich – weil Winter war. Und jetzt kommt der FrĂŒhling, mit Vögeln, die – neben anderen Lebenwesen – jauchzen und toben. Das FrĂŒhjahr bleibt also unerwĂ€hnt, wird aber wunderschön durch seine Lebendigkeit beschrieben.

„Von Neugier gepackt,
hat die Zwiebel einen langen Hals gemacht
und um sich geblickt
mit einem hĂŒbschen Tulpengesicht.“

Einen langen Hals machen – eine wunderschönes Bild (wie man die rhetorische Figur in diesem Fall nennt, ist mir nicht bekannt): Denn nicht nur reckt sie den Hals, wie es ein Nachbar macht, der sich wundert, was fĂŒr ein LĂ€rm aus meinem Garten schallt; denn sie reckt tatsĂ€chlich den Hals, ihren Stengel, um ihren Kopf, die BlĂŒte nach oben zu heben.

Sie will jetzt auch Teil des ganzen Trubel sein! Nicht mehr tief schlafend in der Dunkelheit stecken.

„Da hat ihr der FrĂŒhling entgegengelacht.“

Die Tulpe ist willkommen, denn sie gehört dazu: Der FrĂŒhling freut sich, dass die da ist. Denn sie ist Teil von ihm, genau wie die Vögel und das Jauchzen und alles andere.

Nun, das sind meine spontanen Gedanken zu Guggenmoos‘ „Die Tulpe“. Nicht wahnsinnig tiefgrĂŒndig. Aber ein Gedicht, das mir – zuvor noch unbekannt – sehr gut gefallen hat.

Hier noch ein kleines Bienengedicht zur Tulpe
Bssssss!