Akrostichon

Ein Akrostichon ist ein Gedicht, bei dem die einzelnen Buchstaben eines Wortes oder eines Satzes den Anfang der Gedichtzeile bilden.

Dies ist eine herausfordernde Form der Lyrik, da der*die Schreiber*in nicht so frei assoziieren kann, wie normalerweise – das erste Wort einer Zeile ist an den Anfangsbuchstaben gebunden, der sich aus dem zu bildenden Wort oder Satz ergibt.

bunter, unscharfer Hintergrund, davor auf einer Scheibe mehrere Farbspritzer, als Symbolbild für ein Akrostichon.
Das Akrostichon ist eine besonders künstlerische Form des Gedichts. Zumindest ist ihm eine zusätzliche Schwierigkeitsstufe eingebaut.
Foto von Jr Korpa auf Unsplash

Sie finden hier eine ganze Reihe Beispiele für Akrostichons zu ganz verschiedenen Themen: Zur Freundschaft, zu den Jahreszeiten, zur Liebe, Festtagen, und so weiter. Einige eignen sich eher für Erwachsene, andere für Kinder, manche sind traurig, manche sind heiter.

Interessieren Sie sich für weitere spezielle Gedichtformen? Dann schauen Sie mal hier nach:
Haiku – eine ursprünglich japanische Gedichtform mit nur drei Zeilen
Elfchen – eine häufig in Grundschulen genutzt Gedichtformen aus elf Wörtern
Schneeballgedicht – ein visuelles Gedicht, das die Form eines Schneeballs hat
Rondell – ein Gedicht mit acht Zeilen, das einem speziellen Schema folgt
Parallelgedichte – Lehnen sich an ein bekanntes Original an

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Akrostichon – Beispiele

Akrostichons: Freundschaft

Wenn Ihnen „normale“ Freundschaftsgedichte zu langweilig sind, dann ist ein Akrostichon vielleicht interessanter? Schauen Sie mal hier.

Wenn man sich mag

Freundschaft ist, wenn man sich mag
rumpelt’s auch an manchem Tag,
es ist Freundschaft, wenn man zu zweit
umarmt sich, auch nach großem Streit,
niemals lässt sich lang im Stich, wenn man
denkt an den andern, nicht nur an sich
seine Schokolade mit dem andren teilt
coole Pläne miteinander feilt
herzlich übereinander spricht,
auch wenn man ist des andren Meinung nicht,
freundschaft ist, wenn man trotz Zwist,
tränen auch wieder vergisst.

Wenn man sich nicht mag

Feindschaft ist, wenn man sich ächtet
Einander gönnt nur allzu Schlechtes
Immerzu einander anblafft
Nie den andren freundlich angafft
D
as nervt und ist auch gar nicht fein
SCHade, wenn uns fällt nicht ein:
Aus Feindschaft kann auch Schönes wachsen.
Für immer aneinander knacksen?
Traurig wär’s, und muss nicht sein.

Akrostichons für die Grundschule

Akrostichons sind eine hervorragende Übung für die Grundschule. Nehmen Sie irgendein Wort, das für Kinder relevant ist (vielleicht initial kein außergewöhnlich langes) und lassen Sie die Kinder dichten. Ein Akrostichon muss sich nicht reimen! Zwar versuche ich hier eigentlich immer, auch einen Reim einzubauen, aber es geht auch ganz ohne.

Der Gedichtefreund hat übrigens auch Gedichte zur Einschulung für Sie. Allerdings noch kein Akrostichon 😉

Kinderrechte

Kinder, ihr müsst wissen,
(Ich sage es euch gerne,)
Niemals müsst ihr hier vermissen:
Dass ihr ein Anrecht habt auf Wärme.
Es geht nicht nur um warme Decken
Räume mit Heizung reichen nicht aus.
Richtig ist, man sollte nicht verstecken:
Eltern sind manchmal ein Graus.
Chaos, Ärger, auch mal Streit,
Hat es natürlich überall. Aber
Treten, Hauen, das geht zuweit, da müsst ihr
Euch helfen lassen, auf jeden Fall.

Grundschule

Grundschüler bin ich so gerne
Ruhig bin ich nur, wenn ich lerne
Unterricht ist stets ein Gewinn
Nur nicht, wenn ich erkältet bin.
Dann bleib ich leider mal zuhause
SCHule hat dann auch mal Pause
Und wenn ich dann wieder bin gesund
Laufe ich zur Schule und
Erst dann läuft’s Leben wieder rund!

Die Jahreszeiten

Weiter geht es mit den Jahreszeiten. Für jede eins. Interessanterweise ist es gar nicht unbedingt einfacher, ein kurzes Akrostichon zu bilden, als ein langes – allerdings ist „Frühling“ tatsächlich etwas härter als „Winter“.

Ein Winter-Akrostichon

Wann es endlich schneit?
Ich weiß es nicht.
Nicht mehr sehr häufig, dieser Zeit.
Traurig, ja, auf lange Sicht.
Es brächt‘ ja sogar Heiterkeit, wenn
Raureif zeigte sein Gesicht.

Weiteres

Weiß nicht, warum es weiß
Ist auch nicht mehr warm, erst recht nicht heiß
Natur ist gänzlich zugedeckt
Tannen in Tannenbaumständer gesteckt
Es ist, so scheint mir, endlich Winter?
Rührend langsam komm ich dahinter.

Eine winterliche Wiese mit Bäumen im Hintergrund, Abenddämmerung.
Wenn ich nicht trinke, ersäuft Richard.
Kein Akrostichon, aber auch nicht uninteressant.

Ein Frühlings-Akrostichon

Frühling, du wunderbarer Knabe
Reih dich in die Jahreszeiten ein!
Übe dich in bunter Malerei und trage
Haufenweise Freude für uns heim!
Lange wirst du auch wieder nicht dauern
Immer geht das Schöne so schnell rum.
Noch will jedoch der Sommer noch nicht lauern
Grün und fröhlich ist das Jahr noch jung!

Frühling, ein weiteres

Frühling lässt sein blaues Band
R
ücklings über’n Himmel fliegen
Ü
ber’n Saume, übern’s Rand
H
inein bis in den Weltraum fliegen-
L
angsam, Frühling, nicht so doll!
I
ch weiß nicht, wie ich’s ihm sagen soll.
N
un Lenzen wird schon realisieren
G
anz so weit oben muss er nicht regieren.

S-o-m-m-e-r

Sahneeis und Limonad‘,
Oma kommt mit dem Fahrrad,
Mohnblumen und Wasserball
Märchenhafter Vogelschall,
Ein jeder mag den Sommer gern,
Reisen, lachen, Melonenkern.

Weiteres Sommer

So wird endlich wieder warm
Oh, Sommer, das wurde auch Zeit!
Meeresrauschen, meilenweit,
Mit Sonnenstrahl versprühst du Charme.
Es sollte immer Sommer sein:
Relativ oft zumindest, das wär‘ fein.

Sommernachtstraum

Sommernächten Mondenschein.
Opalleuchtende Sternenreihn.
Mehr noch, viel, viel mehr:
Mitternächtliches Schnuppenheer.
Eitelkeit, Augenschimmerglanz.
Reumut, Achtplanetentanz.

Akrostichon: Herbst

Hallo, Herbst, du alte Zeit,
Es ist das Jahr erstaunlich weit.
Ruhig gewesen ist es nicht,
Bis heute, so ist der Bericht.
Sieh zu, dass du nur spannend bleibst
Teurer Herbst, und uns Geschichten schreibst.

Akrostichons zu Feiertagen

Natürlich gehören hier auch Akrostichons zu Weihnachten hinein. Zu Ostern, und über kurz oder lang auch über andere Jahreszeiten.

Wenn Sie längere Gedichte zu den einzelnen Feiertagen suchen: Haben wir. Zum Beispiel Weihnachtsgedichte, Halloweengedichte, und viele mehr.

Weihnachten, Anfänge

Warum nur ist am Jahresende
Es immer diese Weihnachtszeit?
Ich denke, dass uns das Fremde
Häufig beunruhigt, dann gibt’s Streit.
Natürlich macht das wenig Sinn:
Auch Neues kann durchaus gefallen
Charmant fällt uns oft Fremdes hin
Herrje, doch leider passt’s nicht allen!
Tun wir uns redlich drum anstrengen:
Es zu sehen mit Gewinn – lasst uns
Neues mit Altem vermengen.

Advent-Akrostichon

Allabendlich beisammen sein
Drinnen, außer wenn es schneit.
Vielleicht ein kleiner Fruchtglühwein
Es ist schon bald soweit.
Nun träum beim Glockenschlag:
Tausend Träume vom Weihnachtstag.

Ostern, Anfänge

Ostern ist besonders schön, wenn
Sonne scheint und Blumen blühn.
Trampeln durch den Frühlingsgarten
Eier sammeln, auch die harten,
Ruhen dann und Schoko naschen,
Nächstes Jahr den Hasen haschen.

Halloween

Hallo ihr lieben Geister
Aller Länder, aller Städte
Lirum Larum Löffelkleister, sie
Lachen schaurig um die Wette.
Oh, da kommt auch Herr Vampir
Wie geht, wie steht’s, wie sieht es aus?
Er schüttelt alle Hände mir
Eh er dann saugt mich völlig aus.
Nun pass auf: Halloween kommt auch zu dir!

Akrostichons über die Liebe

Bisher finden Sie hier nur ein einziges über die Liebe. Aber das Thema ist so wichtig, dass in Zukunft noch eine Reihe weitere hier auftauchen werden. Vertrauen Sie darauf 🙂

Liebe, Anfänge

Liebe, Liebe, Liebe
Ich glaube, dass ich liebe:
Es rumpelt mein Herz wie verrückt
Bei deinem Anblick ist es ganz verzückt
Es versetzt mir Hiebe: Das ist Liebe.

Meldung nach langer Zeit

Reich mir mal den Tortenheber“,
Oma Kathrin freut sich schon.
Mandarinentarte, nach Gänseleber,
Auf einmal schellt das Telefon.
Norbert? Fragt sie, sogleich Tränen.
Telefon fällt aus der Hand.
Ich sah niemals solche Szenen:
Kathrin hatte ihn einst gekannt.

Ich liebe dich

Ich schlaf nicht ein mit anderen Gefühlen,
Lass den Tag nicht gehen ohne dich:
In meinem Bett werde ich wühlen
Erschöpft aufwachen und durstig.
Bei mir sein – das sollst du, jeden Abend,
Endlich wieder hier, die ganze Nacht.
Dass ich, mich an deiner Nähe labend
Ich sein kann, mehr als nur Schmacht.

Akrostichons über Namen

Hier können natürlich alle möglichen Namen stehen – ist Ihrer dabei? Hier sind ganz exemplarisch die beliebtesten zwei Mädchen- und Jungennamen 2021 als Akrostichon aufgeführt. Sie können diese als Beispiel nehmen, um über ihren eigenen Namen ein Akrostichon zu verfassen.

Überlegen Sie am besten

  1. Welche Eigenschaften von der benannten Person möchte ich herausstellen?
  2. Möchte ich der Person eine Message rüberbringen?
  3. Wie kriege ich trotz der mitunter wenigen Zeilen eine schöne Metrik hin?

Die folgenden Beispiele sind in vielerlei Hinsicht etwas ungelenk und sicher nicht ideal. Aber darin liegt ja auch der Reiz: Aus den immer gleichen Anfangsbuchstaben lassen sich unzählige verschiedene Varianten finden.

Emilia

Emilia, du flinke Schnecke
mach hin, sieh zu, komm um die Ecke,
immer bist du viel zu spät!
Langsamer nie die Zeit vergeht!
Ich warte jedoch gerne:
Aus deinen Augen funkeln Sterne.

Matteo

Matteo, kleiner Babymann,
auch wenn ich’s dir nicht sagen kann:
Tu mir bitte nicht weh!
Tritt nie fort, ruf nie Adé!
Es ist schon wahr: Du bist noch klein.
Doch das wird schon bald vergangen sein.

Hannah

Harmonisch, lieb und etwas frech
auch mutig und beliebt
nah sind wir uns wie Schwefel, Pech,
natürlich auch wenn’s piept!
Ach, Hannah, ich hab dich so gern
Hauptsache ist, du bist nie fern!

Noah

Nun bleibe noch, bleibe noch ein Weilchen
oder gehe fort, es liegt bei dir.
Aber ohne dich fehlt mir ein größtes Teilchen
Halt mich ganz fest, Noah, bei mir.

Lili

Lieber wär‘ mir,
Ich hieße nicht Lilli.
Lieber wär mir
Ich hätt‘ nen fetten Brilli.

Sophie

So,
Oder nicht?
Philantrophie
Heißt sie und Sophie
Isst gern
Ein Spaghettigericht.

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Noch mehr Akrostichons – über das Glück, den Frieden, Verantwortung

Über welches Thema (bzw. welches Wort – es geht ja immer um die Anfangsbuchstaben) würden Sie sich noch ein Akrostichon wünschen? Schreiben Sie mir doch – die Chance ist sehr, sehr groß, dass ich es hier veröffentliche.

Wissen Sie was, machen wir doch eine Wette draus: Ich wette, dass ich es schaffe, aus jedem Wort ein vernünftiges Akrostichon zu schreiben. Wenn ich es nicht schaffe, kriegen Sie ein personalisiertes Gedicht geschenkt. Oh ja.

Akrostichon

Anders als die meisten Verse
kann ein Akrostichon sein.
Reime gibt es schon diverse
ohne diesen Sinn geheim.
Solch Geheimnis zeigt sich dann
tut man den ersten Buchstab‘ lesen
immer sollt‘, nicht immer kann
Chaos zu nem Wort genesen.
Ohne diesen guten Ton:
nicht wär‘ es ein Akrostichon.

Frieden

Feier nicht zu früh das friedenvolle Leben
R
uhe nie zu sehr auf dem was einst errungen.
I
rre nicht, einen Frieden muss man pflegen,
E
tliche haben ihn zu lang besungen.
D
och häufig ist es nicht dabei geblieben
E
in Friede bleibt nicht lang, wenn er zu sehr erzwungen:
N
ur mit Kraft gelingt’s, dem Krieg nicht zu erliegen.

Verantwortung

Viele Menschen meinen gerne:
E
s sei so leicht zu führen.
R
aten, dass der Sache Kerne
A
llzeit leicht sei aufzuspüren.
N
ie würde ein solcher Kerle –
T
alentreich hin oder auch her –
W
issen lassen dass die Perle
O
hne ihn zu kriegen wär.
R
ed ruhig, großer weiser Mann
T
rau dich, sei verantwortlich
U
nd sei nicht bös, wenn endlich dann
N
icht gelingt, was andrer kann:
G
eh heimwärts dann, und schäme dich!

Eitelkeit

Eititei!
Ich meine:
Toll, wie du aussiehst.
Eititei heißt in dem Fall
Lasziv, wie du anziehst
Klar, jeder ist mal
Eititei – ist doch schön!
Ich mein, Hauptsache nicht
Totalitär nackt-obszön

Akrostichon: Glück

Gar nicht viel und gar nicht doll:
Liebe, Freundschaft, etwas Wärme
Über Musik freuen, auch in Moll.
Cricket, Fußball, helle Sterne,
Kein Glück kommt einfach aus der Ferne.

Hoffnungsakrostichon

(Es gibt noch mehr Hoffnungsgedichte)

Halt dich fest an meinen Lippen
Oder am Klange meiner Stimme
Fühl mein Herz an deinen Rippen
Fühl wie ich mit dir in dir schwimme.
Nage dich fest an meiner Liebe
Und vertrau auf unser Glück.
Nur wenn du gehst, mit dieser Tide:
Geh in Hoffnung – und komm zurück.

Leben

Lerne, zu schweben und
Etwa, dich gegen
Balustraden zu lehnen.
Eben: Das Leben
Nicht immer zu ernst zu nehmen.