Gedichte zum Abschied

Keiner kann schöner sagen, was es heißt, sich zu trennen, als Rilke in seinem „Abschied“-Gedicht:

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.

Rainer Maria Rilke, „Abschied“

Sie finden hier eine wachsende Zahl von Abschiedsgedichten – mal traurig, mal heiter, mal zum Ende einer Beziehung, mal am Ende einer Arbeitsstelle. Wenn Sie jetzt noch nicht finden, wonach Sie suchen – schreiben Sie mir doch einfach.

Abschiedgedichte - Ein Mann winkt und man sieht seinen Schatten an einer türkisen Wand.
„Auf Wiedersehen!“ – das wär fein.
Ein Gedicht zum Abschied, das darf sein.
Foto von Ioana Cristiana auf Unsplash

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Lustige Gedichte zum Abschied einer Lehrerin

Die meisten Kinder sind ja froh, wenn ein Schuljahr rum ist – aber wenn damit auch der Abschied einer geliebten Lehrerin einhergeht, hält sich die Freude mitunter in Grenzen. Oft wird dann ein Gedicht gesucht, um dieser Lehrerin gebührend Lebewohl zu sagen: Und damit es nicht zu dramatisch wird, soll auch der Humor dabei nicht vergessen werden.

Deshalb finden Sie hier zwei lustige Gedichte zum Abschied einer Lehrerin. Vorgetragen von Schülern oder Eltern – wie es gerade passt. Viel Spaß!

Kein mieses Jahr

Wie man es auch dreht und wende:
Jedes Schuljahr nimmt ein Ende.
Manches Jahr wird schnell vergessen
derweil ein andres bleibt stattdessen
(und das ist Ihr Vermächtnis)
für immer im Gedächtnis:
So wie auch dieses.
Denn es war beileib‘ kein Mieses,
fieses, dunkles, sprödes Jahr.
Sind auch die Regeln manchmal starr
in Mathe, Deutsch und allen Fächern,
so hieß es doch von allen Dächern
von unseren Kinder nach der Schule:
„Ich fand das waren wieder coole
Stunden, die wir dort verbrachten.“
Uns was sie so besonders machten,
(und das macht großen Sinn):
Das war die Lehrerin.
Drum danken wir in aller Namen,
der wilden Kinder und der zahmen
für Ihren tollen Unterricht.
Denn so sagte Goethe schon (oder nicht?):
Im Schuljahr brauchen Kinder Wurzeln
damit sie gesund ins Leben purzeln.
Flügel brauchen sie wohl auch
sonst stehn sie später auf dem Schlauch.
All das haben sie gegeben
und, damit’s hier nochmal steht:
mögen sie, sofern das geht,
ohn‘ uns glücklich weiterleben!

Auf Wiederseh’n, Frau Lehrerin!

Auf Wiederseh’n, Frau Lehrerin!
Wir ziehen nun ganz weit dahin,
und machen unser Leben weiter –
wir hoffen, dass wir immer heiter.

Auf diesem Wege nehm’n wir mit
viel Wissen, was sie uns gelehrt,
auf dass es sich mit jedem Schritt
auch weiterhin recht froh vermehrt.

Nun, dann ist es nun wohl Zeit –
weiter warten macht jetzt keinen Sinn:
Für den Abschied ist es schon soweit,
auf Wiederseh’n, Frau Lehrerin!

Abschiedsgedichte für Kolleginnen und Kollegen

Manchmal verlässt uns ein liebgewordener Kollege oder eine noch lieber gewordene Kollegin zu einem anderen Arbeitgeber, oder macht sich selbstständig, oder wechselt in die Familienzeit daheim.

Da kommt natürlich manchmal der Gedanke auf, eine Karte schreiben zu wollen, oder sogar ein Gedicht vorzutragen. Sie finden hier (in Zukunf deutlich mehr) Gedichte zu genau diesem Anlass. Nutzen Sie sie gerne, um sich gebührend zu verabschieden.

Gedicht zum Abschied – Kollegin / Kollege

Ein jedes Gutes hat ein Ende.
Wär auch okay, wenn‘s diesmal das
nicht für dich, sondern für jemand anders fände –
(zum Beispiel für den Chef… nein war nur Spaß!)

Mach’s gut in deinem neuen Leben
vielleicht schaust du ja ab und zu vorbei
möge es für dich tausend schöne Dinge geben
(und für uns die hierbleiben zumindest zwei).

Tschüss, mach’s gut!

Tschüss, mach’s gut, du alte Säge,
sag mal Bescheid, wie es dir geht!
Du warst ein lieber Herr Kollege
auch wenn’s dich fort von uns jetzt weht!

Möge die neue Stelle besser sein –
wenn das überhaupt möglich ist.
Wenn’s dort nicht passt, kommt wieder rein
weil man dich hier nicht gern vermisst.

Weitere Abschiedsgedichte

Ein Abschied kann ganz einfach sein

Ein Abschied kann ganz einfach sein:
Man geht ein Stück zu zweit, und dann allein.
Und er kann auch viel, viel schwerer fallen:
Dann versucht man sich am Andern festzukrallen.

Als du mich verließest, war es irgendwo dazwischen.
Ich lachte eine Träne, dann weinte ich ein Lachen,
dann zog ich an den Stühlen und den Tischen
bereit, in einem neuen Leben aufzuwachen.

Ein sich wiederfindender Weg

Der Weg, er teilt sich, das ist klar.
Doch wird er sich einst wiederfinden?
Man kann sich, und auch das ist wahr,
nicht ewig aneinanderbinden.

Die meiste Zeit ist nun vergangen –
unsre Zeit, so deutlich muss man’s sagen
es wird doch etwas Neu’s anfangen
man muss es nur noch wagen.

Nun nimm den Weg, bleibt nicht mehr stehen,
schreib mir mal wie’s wahr,
und falls wir uns einst wiedersehen
bleiben wir anders – du kennst uns ja.

Doch froh

Aufschub, Nichtwahrhabenkönnen,
den bleibenden, die nicht gehen müssen
nicht das Bleiben gönnen.
Zum Abschluss auf die Wangen küssen
und dann nicht mehr gesehen werden
während das Leben hier so weitergeht:
Wenn man dann daneben steht
ist es, als würde etwas sterben.
Man glaubt, dass man’s ewig vermisst,
bis man sich mal wiedersieht
und im Idealfall doch froh ist
dass man dort nicht länger blieb.

Ein letzter Tag

An einem letzten Tag nimmt man alles ganz anders wahr:
Die Menschen, Geräusche, den Ort und die Sterne.
Das einzigartige Glänzen in ihrem Haar
winkt noch beim Umdrehen aus einer Ferne.

Wenn alles was Abschied, landläufig auch Anfang sei
warum fühlt es sich dann nur nach Weniger an?
So steht man am Abend am Afrikakai
und fragt sich ob schon etwas Neues begann.

Da fährt dann ein Schiff mit zehntausend Kartons
in die Nacht hinein, mit unbekanntem Ziel.
Und in Verstärkung dieses metaphorischen Zwischentons
leuchtet der Mond besonders hell auf meinen Kiel.

Zum Schluss finden Sie hier noch ein kleines Hoffnungsgedicht. Und, weil ein Abschied auch mal wütend machen kann, ein Wutgedicht.

Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
Rilke, Abschied

2 Gedanken zu „Gedichte zum Abschied“

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