Heinrich Heine: Die Loreley

Die „Loreley“ ist eines der ber├╝hmtesten deutschen Gedichte und handelt vom gleichnamigen Felsen im Rhein, der dem Dichter wie eine wundersch├Âne Jungfrau erscheint – und dem ein Schiffer in seinem kleinen Kahn zum Verh├Ąngnis wird.

Dieses Gedicht geh├Ârt zu den bekanntesten Werken deutscher Lyrik – hier finden Sie mehr ber├╝hmte Gedichte.

Ein Fluss, es k├Ânnte der Rhein sein, der wie im Loreley-Gedicht zwischen hohen B├Ąumen wild daher flie├čt.
Ich wei├č nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin.

Photo by Jon Flobrant on Unsplash

Hier finden Sie den Text des Gedichts und einige Gedanken dazu. Hier gibt es mehr Gedichte von Heinrich Heine.

Lesen Sie gerne auch mehr Naturgedichte.

Viel Spa├č!

Das Gedicht

Ich wei├č nicht, was soll es bedeuten,
dass ich so traurig bin;
ein M├Ąrchen aus alten Zeiten,
das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist k├╝hl und es dunkelt,
und ruhig flie├čt der Rhein;
der Gipfel des Berges funkelt
im Abendsonnenschein.

Die sch├Ânste Jungfrau sitzet
dort oben wunderbar;
ihr goldnes Geschmeide blitzet,
sie k├Ąmmt ihr goldenes Haar.

Sie k├Ąmmt es mit goldenem Kamme
und singt ein Lied dabei;
das hat eine wundersame,
gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
ergreift es mit wildem Weh;
er schaut nicht die Felsenriffe,
er schaut nur hinauf in die H├Âh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
am Ende Schiffer und Kahn;
und das hat mit ihrem Singen
die Lore-Ley getan.

Gedanken zum Gedicht

Der moderne, mitteldeutsche Betrachter k├Ânnte sich fragen: Warum zum Henker hat gerade dieses Loreley-Gedicht eine so unwahrscheinliche Ber├╝hmtheit erlangt? Hatten die damals kein Netflix?

Tats├Ąchlich ist, aus heutiger Sicht, der Spannungsbogen der Geschichte wenig ausgepr├Ągt. Da ist jemand etwas melancholisch und denkt ├╝ber ein altes M├Ąrchen nach (allein das schon! Welcher Erwachsene denkt denn bittesch├Ân ├╝ber M├Ąrchen nach?), zeichnet das etwas schw├╝lstige Bild des abendlichen Rheines und besingt dann in aller K├╝rze eine sch├Âne Frau. Diese ist so sch├Ân, dass ein kleiner Kapit├Ąn auf seinem kleinen B├Âtchen den n├Ąchsth├Âheren Felsen nicht sieht und kurzerhand zerscheppert.

Und das war’s auch schon.

Kein Cliffhanger, keine R├╝ckblende und Verweise auf fr├╝her Geschehens, ein sehr einsames Casting mit nur zwei Personen (und eine ist starr wie ein Felsen), sch├Âne Frau, Boot sinkt, Geschichte aus. Nicht mal die Backstory des Schiffers ist bekannt. Was steht f├╝r ihn auf dem Spiel? Wer erwartet ihn zuhause? War es schon zuvor sein Laster, dass er bei sch├Ânen Frauen allen Sinn f├╝r Wichtiges verliert, und welch b├Âses Spiel spielte er zuvor (vielleicht in einer fr├╝heren Staffel), dass er den sicheren Tod in des Rheines Fluten verdient?

Und abgesehen von der d├╝rftigen Story: Sagte man im 18. Jahrhundert wirklich noch „Melodei“ statt Melodie, oder warum kommt einer der „gr├Â├čten und besten Dichter der deutschen Geschichte“ ungestraft damit durch, „dabei“ auf „Melodei“ zu reimen? Das k├Ânnen die Marterias und Delays und wie sie alle hei├čen aber tausend Mal besser. Sind die in 300 Jahren noch etwas wert?

So ganz erschlie├čt sich einem die Geschichte nicht. Einzige M├Âglichkeiten: Es ist entweder das Gesamtwerk, was Heine so gro├č hat werden lassen; oder es gab damals einfach nichts anderes; oder er war einfach einer der ersten, die ├╝berhaupt in dieser Form gereimt haben – immerhin kommen auch die Rothkos dieser Welt damit durch, einen blauen Kasten zu malen und sich damit unsterblich zu machen.

Wie dem auch sei: Die Loreley gilt auch weiterhin als eines der wichtigsten deutschen Gedichte. Wenn Sie verstehen, warum – ich freue mich ├╝ber Ihre Gedanken!

Hier noch ein paar Berggedichte aus der Feder des Gedichtefreunds.

├ťber’s Land

Wer dies nicht kennt –
wer niemals auf dem Gipfel stand,
der wei├č nicht, wie es ist,
wenn der Blick zum Horizont sich spannt.

Denn der Horizont ist weiter –
erstreckt sich ganz bis an den Rand.
es ist, als ob ein ferner Reiter
den Weg zum Himmel endlich fand.

Und tritt man dann zur├╝ck ins Tal
wo alles eng und unentspannt
dann sehnt man sich zur├╝ck hinauf
den Blick zu schweifen
├╝berÔÇÖs Land.

Am Ende der Kr├Ąfte

Er kraxelt und schwitzt
er klettert und sitzt
nur kurz, um zu verschnaufen.
Muss sich zusammenraufen,
noch h├Âher zu gehen.
Kann kaum mehr stehen
muss G├Âtter anflehen,
kann nicht mehr zur├╝ck.
Aber es ist noch ein St├╝ck.
Hat Blut in den Schuhen
muss irgendwo ruhen
er schaut hinauf
es sieht nicht gut aus.
Das Unten ist nicht
wirklich gar nicht in Sicht
und ganz langsam bricht
in ihm hinauf die Idee:
„Dass ich sie niemals wieder seh“.
Mit letzter Kraft greift er
in Verzweifelung streift er
die Angst und die Wut von sich ab.

Und
dann
f├Ąllt
er
hinab.

Kleines Berggedicht

Kein Ton.
Kein einziger Ton,
au├čer Wind.
Kein schreiendes Telefon,
kein weinendes Kind.
Kein Ton.
So still, wie nur die Berge sind:
Des langen Aufstiegs Lohn.