Das Hoffnungslicht – Ein kleines Gedicht

Eine Kerze brennt auf einer Fensterbank vor n├Ąchtlichem Hintergrund.
In seinem Herzen: Ein Hoffnungslicht.
Klein und fahl, so herrlich schlicht.
Foto von Sonika Agarwal auf Unsplash

Es braust das Wasser, sch├Ąumt die Gicht,
ein Seemann klammert sich ans Brett.
Den Horizont, den sieht er nicht,
er ist die Kugel, das Meer Roulette.

Die Finger wei├č, die Lippen blau,
das Schwarz des Wassers zieht ihn an.
Der Seemann will zu seiner Frau,
doch er wei├č, dass erÔÇÖs nicht kann.

Sich jetzt einfach treiben lassen,
das Wasser atmen – dann nichts mehr.
Endlich die Entscheidung fassen,
das Leid w├ĄrÔÇś kurz, und nicht so schwer.

Da sieht der Seemann in der Ferne,
kaum auszumachen, was es war,
einen Schimmer, wie von einem Sterne.
Und als er die Augen schlie├čt, ist es noch da.

Es ist ein Hoffnungslicht in seinem Herzen,
klein und fahl, so herrlich schlicht,
einen Moment vergisst er seine Schmerzen
und betrachtet nur noch dieses Licht.

Und es wird gr├Â├čer, st├Ąrker, hell,
bis es leuchtet wie der hellste Mond,
und ihm scheint, als ob ein Quell
unendlicher Kraft in seinem Herzen wohnt.

Bald verschwimmt dann der Wellen Klang,
und ganz langsam geht das Lichtlein aus.
Der Seemann geht den letzten Gang
und das Licht zeigt ihm den Weg nach Haus.

Nun – vielleicht ist dieses Gedicht nicht unbedingt das, was sie sich zum Thema Hoffnungslicht erhofft haben. Es ist ein bisschen d├╝ster, nicht wahr, und endet auch nicht sch├Ân.

Trotzdem sehe ich etwas positives darin. Ja, der Seemann verliert am Ende den Kampf gegen die Natur, sein Leben. Und doch verliert er es mit einem sch├Ânen Gedanken. Am Ende der Kr├Ąfte steht ein Licht – ein christliches Licht vielleicht, weil etwas nach ihm kommt? Oder ist es der Gedanke an seine Frau, sein zuhaus, das ihm den Abschied erleichtert? Meiner Meinung nach ist es nicht die Sehnsucht nach dem erl├Âsenden Tod – es ist die Sehnsucht nach der Liebe, die die Zeiten ├╝berdauert.

Wir leben nicht gerade in einfachen Jahren: Denken Sie nur an Corona, an das Aufklaffen der Schwere zwischen Arm und Reich, an die drohende und fast nicht mehr abzuwendende Klimakatastrophe.

Vielleicht werden nicht alle unsere Hoffnungen erf├╝llt. Aber ich w├╝nsche Ihnen und mir, dass am Ende auch einer entt├Ąuschten Reise ein Hoffnungslicht schimmert, egal wie fahl und schlicht, dass sie ermutigt, weiter zu machen.

Und nat├╝rlich hoffe ich f├╝r Sie, dass Ihre pers├Ânliche Reise positiver ausgeht, als in diesem Hoffnungslicht-Gedicht: Mit der Hoffnung auf bessere Zeiten, die sich erf├╝llt. Wenn Sie dieses Licht gerade nicht sehen k├Ânnen, melden Sie sich bei der Telefonseelsorge: Dort hat man ein offenes Ohr f├╝r Sie. 0800 111 0 111.

Hier lesen Sie mehr Gedichte ├╝ber Hoffnung.

Ich bes├Ąnft’ge mein Herz, mit s├╝├čer Hoffnung ihm schmeichelnd:
Eng ist das Leben f├╝rwahr, aber die Hoffnung ist weit.

Goethe