Naturgedichte / Naturlyrik

„Über allen Wipfeln ist Ruh…“ – nicht ganz, denn Mutter Natur hält unzählige Naturgedichte für uns bereit. Eine große und wachsende Auswahl finden Sie auf dieser Seite. Gedichte über den Wald und über die Meere, die Berge, Bäume, das Wetter, die Elemente …

Eine kleine schroffe Insel im Meer, lilablaue Farbstimmung.
Knapp einhundert Gedichte nur
über Gott, die Welt und die Natur.
Foto von Daniele Franchi auf Unsplash

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Landschaftsgedichte

Wenig hat die Menschen – historisch gesehen – mehr zu künstlerischen Leistungen beeinflusst, wie die Natur: Und da vor allem Landschaften. Karge Landschaften, blühende Landschaften – Wälder, Berge, Flüsse …

Deshalb finden Sie hier Gedichte, die Landschaften beschreiben: Gedichte vom Wald, Gedichte über Berge und das Meer.

Waldgedichte

Los geht’s mit Waldgedichten. Nicht alle so berühmt wie der Erlkönig, aber das kann man auch so schnell nicht schaffen 🙂 Zunächst ein „Vierteiler“ über den Wald in den Jahreszeiten, nicht immer ganz ernst gemeint.

wald im sommer

die bäume spenden allen schatten:
vögeln, füchsen, mäusen, ratten

der förster schwitzt sich durch den tag
der hase nicht mehr rennen mag

die luft flirrt allseits durch die gegend
die sonne sinkt spät, sehr bewegend

der rehbock futtert heidelbeeren –
der sommer will’s ihm nicht verwehren

wald im herbst

die bäume biegen sich im wind
das eichhörnchen viel nüsse find

die blätter fallen auf die erde
mit verneinender gebärde

die pilze schießen hier und dort
die vögel fliehn nach süden fort

reh und rehbock hams vernommen:
es ist nun wohl der herbst gekommen

wald im winter

die bäume harren dürr und starr
wo einst noch laub und blattwerk war

die blätter liegen unterm schnee
der förster braucht jetzt warmen tee

der hase wandert tausend spuren
nutzlos sind die sonnenuhren

reh und rehbock friert’s am hintern –
so ist das halt in strengen wintern

wald im frühling

die bäume tun sich grün betupfen
der förster leidet an heuschnupfen

die knospen sprießen in den auen
froschmänner reiten auf froschfrauen

hasenkinder hoppeln heftig
die bärlauchwiese duftet kräftig

reh und rehbock springen umher –
durch blätterwald und blütenmeer

Baumkronen von Nadelbäumen vor blauem Himmel mit Wolken, ein Symbolbild für Naturgedichte.
Kein Gedicht, das lauthals knallt:
Nur eines über grünen Wald.
Foto von Marija Ivanovic auf Unsplash

Buch der Waldgedichte

Dies ist das Buch der Waldgedichte
Es erzählt so manch Geschichte
von Waldtieren und -leuten
von gestern und von heuten.

Fuchs und Has‘ wollen wir schmeicheln
und Bucheckern und Eicheln
von Reh und Bock erzählen wir
und auch vielem Kriechgetier.

Wir machen uns auch selbst zur Sau:
mit Mahnung, Warnung, Augenbrau‘,
dass dem Wald zu helfen sei
und den Bewohnern, vielerlei.

Doch länger soll’s nun nicht mehr dauern
denn lang schon die Gedichte lauern
nun ist die Vorfreude ganz groß:
Ein Waldgedicht, wie legen los.

Mit den Kindern in den Wald

Schon Goethe liebte Waldeshain,
ging dort stets wandern und flanieren.
Wollt deshalb auch hinein marschieren,
mit dem Nachwuchs, aber der sagt Nein.

Sie will nicht in den Wald,
sagt meine Tochter, weil da Wölfe wohnen.
Und diese Kneifer krabbeln in die Ohren,
sagt mein Sohn, da würd ihm kalt.

Ich zerre sie trotzdem hinein –
Naturverbunden! Draußen sein!
Langweilig, sagen die Kinder,
sei es, ich sei ein Leuteschinder.

Da plötzlich vorne auf der Lichtung
steht ein Reh, ganz vornehm leise
so erfahrn die Kinder auf diese Weise:
Der Wald ist schön, wie in der Dichtung.

Isegrim

Es ist dunkel, dort im Wald.
Die Tiere halten still.
Kein Lüftchen, das sie streifen will
und trotzdem ist es kalt.

Sie alle spüren etwas dort
etwas magisches, gemeines –
und gleichzeitig auch etwas feines:
das riecht nach Moos und Blut und Mord.

Ein alter Rehbock spricht es aus
was allen längst ins Felle kroch:
dass es auch nach jemand roch
und dieser Duft – er war ein Graus.

Der Grimm, die alte, graue Not,
war aus ihrem Exil gekommen.
Und die Tiere hatten längst vernommen:
Sein zweiter Name war der Tod.

Waldgeister im Klimawandel

Waldgeister tanzen auf den Lichtungen
in der Nacht, wenn sie keiner hört
sie kommen aus allen Richtungen
dorthin, wo sie niemand stört.
Dort feiern sie die letzten Jahre
die der Wald noch zur Verfügung hat
eh man ihn trägt, auf einer Bahre
denn er wird sterben, jedes Blatt.

Berg-Gedichte

Standen Sie schon einmal auf einem Berg? Er muss gar nicht hoch sein, es reicht, wenn Sie vom Gipfel herab ein Stück Landschaft betrachten können. Ist das nicht ein Moment, der nach dem Verfassen eines Naturgedichts schreit? Nein?

Na gut, deshalb bin ich ja der Gedichtefreund, der schreibt, und sie der Gedichtefreund, der liest 🙂

Hier nun also ein paar Berg-Gedichte. Meist vom Gipfel herab.

Der Ruf der Berge

Ich habe einen Ruf vernommen –
ganz oben von dem Gipfel.
Drum habe ich ihn schnell erklommen
bis hoch zu höchstem Zipfel.

Angekommen setz‘ ich mich
mit Butterstulle nieder.
Und schaute gänzlich wehmütig
zum tiefen Tale wieder.

Ich fragte mich: Was tu ich hier?
Warum bloß ich hier sitze?
Im Tal dort unten leben wir
was rief mich zu der Spitze?

Ich kraxelte zurück zur Sohle
und fühlte mich daheim.
Hier unten liegt mein Seelenwohle
Ich ging dem Gipfel auf den Leim.

Über’s Land

Wer dies nicht kennt –
wer niemals auf dem Gipfel stand,
der weiß nicht, wie es ist,
wenn der Blick zum Horizont sich spannt.

Denn der Horizont ist weiter –
erstreckt sich ganz bis an den Rand.
es ist, als ob ein ferner Reiter
den Weg zum Himmel endlich fand.

Und tritt man dann zurück ins Tal
wo alles eng und unentspannt
dann sehnt man sich zurück hinauf
den Blick zu schweifen
über’s Land.

Schneebdeckte Berggipfel in der Ferne, davor ein verschneiter Nadellbaum-Wald und der sichelförmige Mond am Himmel.
Berggedichte, Berggedichte.
Was sind wir nicht für kleine Wichte.
Foto von Berni Wittmann auf Unsplash

Kleines Berggedicht

Kein Ton.
Kein einziger Ton,
außer Wind.
Kein schreiendes Telefon,
kein weinendes Kind.
Kein Ton.
So still, wie nur die Berge sind:
Des langen Aufstiegs Lohn.

Der da oben

Unter mir die Wolken
über mir nur der da sitzt
der, wenn’s ihm gefällt
ins Tale schmeißt Donner und Blitz.

So nah kann man dem selten sein
sehen tu ich ihn doch nicht.
Mir fällt nicht mehr sein Name ein
und erst recht nicht sein Gesicht.

Als ich vom Berg hinuntersteig
kommt mir ein Wanderer entgegen.
„Grüß Gott“, sagt er, und sich verneigt,
„auf allen Ihren krummen Wegen.“

Das war sein Name, hat er Recht,
der, der da mit Blitzen schießt
ob er ihn da oben sieht?
Vielleicht sagt er „Gesundheit“, wenn er niest.

Am Ende der Kräfte

Er kraxelt und schwitzt
er klettert und sitzt
nur kurz, um zu verschnaufen.
Muss sich zusammenraufen,
noch höher zu gehen.
Kann kaum mehr stehen
muss Götter anflehen,
kann nicht mehr zurück.
Aber es ist noch ein Stück.
Hat Blut in den Schuhen
muss irgendwo ruhen
er schaut hinauf
es sieht nicht gut aus.
Das Unten ist nicht
wirklich gar nicht in Sicht
und ganz langsam bricht
in ihm hinauf die Idee:
„Dass ich sie niemals wieder seh“.
Mit letzter Kraft greift er
in Verzweifelung streift er
die Angst und die Wut von sich ab.

Und
dann
fällt
er
hinab.

Unvollendeter Aufstieg

Der Sauerstoff ist rar
das Basecamp ganz verwaist
es war lange keiner da
der ganz nach oben reist.
Ich mach mich auf den Weg
alte Leichen zu den Seiten
wie auf morbidestem Laufsteg
nur dass sich keine Augen weiten.
Der Gipfel ist jetzt nah
die Flasche schon längst leer
Sauerstoff, null bar
nur hundert Schritte mehr.
Noch zwanzig Schritte weiter
und ich setz mich nieder
es kommt kein Held und auch kein Reiter
und niemand singt mir Lieder.
So werd auch ich stummer Betrachter
für all die nächsten, die es wagen
dieser Berg, er ist ein Schlachter
er war zu groß, ich darf nicht klagen.

Meeresgedichte (Gedichte über das Meer)

Hier finden Sie eine recht große Auswahl von Gedichten über das Meer. Würden Sie sich noch mehr Meergedichte wünschen? Ist es gar ihre liebste Form von Naturgedichten? Dann schreiben Sie mir doch gerne eine Nachricht. Ich verfasse Ihnen gern eines.

Gedicht: Meer

Ewigkeiten ist es her,
da ich einst wagt‘ das Meer zu fangen.
„Das Meer zu fangen ist nicht schwer“,
glaubt‘ ich, „man braucht nur viel Verlangen.“

An Verlangen mangelt es mir nie,
(ich red von früher, nicht von heute),
„ich brauch es jetzt“, es in mir schrie,
„das Meer, des Wahnsinns blaue Beute.“

Ich stahl den Stränden allen Sand,
die Küsten blieben wüst, verstaubt.
Und jedes Korn das ich noch fand
habe ich der Welt geraubt.

Ich filterte das Licht der Sonne,
nahm den Ländern jeden Strahl,
ich schuf mit Hitze, Sand und Wonne
das größte Glas das Gott befahl.

Auf den Schultern trug ich dieses Glas
Dem Meer von meinem Plan berichten.
Gelang mein Plan? Oh nein, mitnichten.
Die Gischt spritzte mich lachend nass.

Der Rücken hing mir bis zum Knie
als ich zurück landeinwärts rannte.
Ans Meer nochmal wagt‘ ich mich nie
nie mehr in mir Verlangen brannte.

Quallenqualen

wir treiben stets nur fort und fort
schlagen mutlos mit tentakeln
sind heute hier und morgen dort
da gibt es nichts zu makeln

was soll man sagen?

wir treiben gerne hin und her
fliegen durch das meer in herden
das treiben fällt uns nicht sehr schwer
warum sollt es anders werden?

da kann man doch nicht klagen!

selten mal berühren wir
einen schwimmer, den es kräftig brennt
mal fressen wir ein leckres tier
das den weg nach haus nicht kennt

doch eines muss man uns nicht fragen:

manchmal wärn wir gern am strand
oder einfach nur dort vorn.
doch unser treiben hat bestand:
wir sind im ozean verlorn

Das tropische Meer vom Strand aus fotografiert.
Das Meer: Gibt viel her.
Was will man mehr?
Foto von Stephan van de Schootbrugge auf Unsplash

Der Seemann

Mit engen Augen, Falten auf der Nase,
schaust du kilometerweit voraus.
Sie hat gesagt es sei nur eine Phase.
Ihre Phasen war’n dir stets ein Graus.

Das Meer schwappt heute dunkler als normal,
der Wind weht, scheint’s, auch etwas kälter.
Sie lässt dir keine andre Wahl.
Du wirst nicht alle Tage so viel älter.

Die andern wissen nichts von Liebesdingen,
sie werfen Netze aus, als ob nichts sei.
Du weißt nicht, wie viel sie heute fingen.
Du fühlst dich überraschend frei.

Hier hat’s bestimmt achthundert Meter,
hier und jetzt soll es wohl sein.
Und acht freudlose Sekunden später
springst du achselzuckend rein.

ein sandkorn klagt

tausend lange jahre lang
hab ich mich nicht beklagt
dabei bin ich ganz klein geworden
mich hat keiner gefragt.
ich bin inzwischen angst und bang
weil mich nichtwissen plagt:
kann ich noch viel kleiner werden?
kann ich noch mehr zerrieben werden?
bis man „atomkorn“ zu mir sagt?



haigedicht

da zieht sich eine spur von blut
tief in meine nase
das blut tut meinem hirn nicht gut
ich werde unruhig, jage, rase,
beiße um mich, voller wut –
es ist eine schlimme phase.
Nicht für mich, nein, ich find’s toll
doch für makrele, wal und butt
ist mein Rasen unheilvoll.

Das alte Meer und der Fels

An den Fels klatschen die Wellen.
An vielen Stellen
wird mit der Zeit der Fels ganz glatt.
Denn das Meer ist niemals satt.

Es war jedoch ein Fels, sehr klein,
der stand im Nordmeer, ganz allein
und sagte: „Ich trotze der Gicht!
Soll sie mich doch schlagen,
Glatt:
Kriegt sie mich nicht.“

Das Meer, das ließ sich das nicht sagen:
„Wie kannst du, kleiner Fels, es wagen
dich derart dreist zu wehren?
Ich werd‘ dich“, sagte das Meer, „das siehst du noch:
bekehren“

Das Meer nahm seine Kraft beinand‘
und ohne Rücksicht und Verstand
peitschte es, als ob es ihn verhöhnte
sein Wasser gegen die Felsenwand.
Was tat der Fels?
Er stöhnte:

„Du kannst, Meer, mich noch mehr verprügeln,
brauchst deine Kräfte nicht zu zügeln –
Du kriegst mich niemals klein!“
„Und wenn doch“, flüsterte er ganz leise,
„dann soll es halt so sein.“

Das Meer hörte nicht auf zu toben,
zog all sein Wasser um den Fels zusammen.
Die Küsten wurden trocken, ganze Länder verschoben:
„Poseidon, Neptun, sie solln dich verdammen!“
schrie das Meer, und türmte sich auf bis zum Mond.
„du – alle Felsen – es wird niemand verschont!“

Der kleine Fels sah zum Himmel hinauf,
er wusste: jetzt war seine Stunde gekommen.
„Ich hab deine bösen Worte vernommen,
nun komm schon, Meer, stürz‘ dich auf mich drauf!“

Das Meer fuhr mit all seiner Macht hinab
der Fels zerstieb zu Milliarden Teilen
der Meeresboden, er wurde sein Grab,
der Fels war zu Ende, nicht mehr zu heilen.

Noch in tausend Jahren zerrieb das Meer
die Felsen, da konnten sie nichts gegen tun,
keine Sekunde lang konnten sie ruhn    
doch eine Geschichte vergaß niemand mehr:

Vom kleinen Felsen, in Eiseskälte,
der einst seine Entscheidung fällte –
und gegen das mächtige Meer sich stellte.

Die Fischer

Zieh das netz hoch, mann!
es ist schon viel zu volle!
Die fische drücken sich doch tot!
Der kutter biegt sich unter dem gewicht
er liegt schon auf der seite, dann:
macht er eine rolle
das wasser drumrum färbt sich rot
von den fischen stammt es nicht.

Kindliches Meergedicht

Ein Blick über das Meer:
Es glitzerglatzert.
Und plitscherplatschert.
Ich mag es sehr.
Ein Boot fährt hin und her.
Es wickelwackelt.
Und hochundruntert.
Es ermuntert.
Ich mag das Meer:
Denn es ist so ruhig.
So friedlich jedes Boot.

Außer, wenn es tobt.

Gedichte über Bäume und Pflanzen

Auch Bäume und Pflanzen wollen wohlbedichtet sein. Es gehört einfach dazu: Hier und da ein Stückel Dünger, da und dort ein Liter Wasser, Pflege, Schnitt, Sonne – und ein Gedicht.

Gedichte über Apfelbäume

Apfelbäumchen

Apfelbäumchen.
Ach, Apfelbäumchen.
Du träumst wohl schon
dein Apfelträumchen,
denn Äpfel sind dein Lohn.
Ach, Apfelbäumchen,
weißt du nicht,
nimm hier, das Telefon.
„Wer ist denn da?“, fragt Apfelbäumchen
und, wie aus einem fernen Räumchen
spricht ein kleiner Gnom:
„Die Äpfel sind dies Jahr nur Schäumchen
es liegt wohl am Golfstrom.“
Da weint bitter das Apfelbäumchen
und sagt sich „so ein Hohn!
Dann brauch ich für mein Apfelträumchen
wohl eine Mutation.“
So dreht’s dies Jahr mutierend Däumchen
Und das nächste Jahr kommt schon:
Dort setzt sich dann das Apfelbäumchen
auf den Apfelträumchenthron.

Kurzes Gedicht über Apfelbäume (und dann auch wieder nicht über Apfelbäume)

Ein Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
Nur manchmal tut er’s doch.
Das hört man immer wieder, dann
fällt der Apfel in ein Loch.

Er muss sich sicherlich nicht grämen,
denn anders sein ist nicht so wild.
Den natürlichen Weltplan zu zähmen
rückt manches erst ins rechte Bild.

Apfelzyklus

Im Frühjahr blühst du, soviel Schmuck!
Im Sommer stehst du, langsam guckt
ein Apfel raus, den im Herbste man
mit Apfelhunger ernten kann.
Im Winter ruhst du dich dann aus
und kommt die Sonne wieder raus:
Geht es von vorne los, Applaus.
Im Frühjahr blühst du, soviel Schmuck …

Apfeltausch

Du schenktest mir einen Apfel
auf dem Sportplatz, dort vom Baum
und sagtest, er sei eine Kapsel
und deine Lippen verrieten sich kaum.
Eine Kapsel? Ich verstand nicht
und du rietest mir dort kurz zu warten.
Ich wartete, schrieb dies Gedicht
und stand ratlos dort im Garten.
Den ganzen Abend trug ich ihn umher
unsicher schauend, etwas bange
da kamst du wieder, sinnenschwer
und riebst dein Haar an meiner Wange.
Es sei ein Tausch, sagtest du dann
und nur ein Vorschlag, und kein Muss
da hattest du mich längst im Bann
und gabst mir einen feuchten Kuss.
Du gingst dann fort und ich blieb stehen.
Mit meinem Apfel, froh und starr.
Es war ein guter Tausch, musst ich einsehen.
Doch was du bekamst, ist mir nicht klar.

Andere Baumgedichte

Eichen-Gedicht

Vor fünfzig Jahren, vielleicht mehr,
da ein Junge ging spazieren
trat vor sich eine Eichel her
Was sollte schon passieren?

Die Eichel rollte einen Meter,
dann rutschte sie in einen Graben.
Und nur wenig‘ Wochen später
hatte Wurzeln sie geschlagen.

Einzeln‘ Blätter keimten vor,
die kleine Eich‘ noch bodennah.
Doch sie wuchs, schwitzte und fror,
eh sie im nächsten Jahr schon größer war.

Niemand störte sich an ihr,
Kein Zufall ließ die Äst‘ ihr knacksen.
Dem Graben war sie eine Zier
ihm im Jahre drauf bereits entwachsen.

So wurd‘ die Eich‘ ein echter Riese,
– der Jung von einst schon längst ein Greis –
als höchster Baum auf weiter Wiese.
Und so ist sie für uns Beweis:

Dafür dass alles, was mal hochgegangen
Hat einmal klein angefangen.

Olivenbaum

Du knorrig schwer verwundner Stamm
wie schaffst du es, so Schön’s zu wagen
und ohne Not, an einem Hang
zu stehen, warten, Frucht zu tragen?

In trocken, staubig, erd’ner Hitze
etwas so edeles zu produzieren,
ohne, auf deinem warmen Sitze,
dabei kraftlos zu atrophieren?

Oh, Olivenbaum, du König aller Bäume,
stehst ewig lang in deinem Hain,
bereitest uns ölige Träume
umschließend einen harten Stein.

Im Vordergrund ein Olivenbaum, im Hintergrund ein griechisch wirkenden, säulenbestücktes altertümliches Gebäude.
Ein Olivenbaum, ganz krumm und schief
immerhin, die Früchte fall’n nicht tief.
Foto von Ricardo Gomez Angel auf Unsplash

Gedicht eines traurigen Holzfällers über einen toten Baum

Du gehörst gefällt.
Du warst eins stark und stolz
doch gestorben ist dein Holz –
du gehörst gefällt.

Du gehörst gefällt.
Ich steige hoch auf dich, du Linde,
dabei bröselt deine Rinde –
du gehörst gefällt.

Du gehörst gefällt.
Erst die Äste, dann die Krone,
Undank ist der Welten Lohne –
du gehörst gefällt.

Du gehörst gefällt.
Bist nun an einem andren Ort,
ich musste sorgen, dass du fort –
auch wenn’s mir nicht gefällt.

… und dann war da noch das Lustige Gedicht über Kräuter

Andere Pflanzengedichte

Übrigens: Blumengedichte finden Sie anderswo 🙂 Und auch ein spezielles Tulpengedicht haben wir noch für Sie.

moosgedicht

den stein dort kann ich nicht mehr sehen:
er ist zu grau, zu eckig, tot
ein tupfer farbe würd‘ ihm stehen
egal ob blau, grün, rosa, rot

nun bin ich selbst ein grüner mann
oder frau? ich weiß es nicht
mal sehen was ich helfen kann
ich lege mich in sein gesicht

ich breit mich auf dem steinchen aus:
setz mich komplett auf seinen schoß.
mit mir kommt der stein gut raus
ich bin ein hübsches grünes moos

efeugedicht

wächst hoch, umschließt das haus
hält sonne fern, das licht heraus
bricht holz und stein
will drinnen sein
und ist man nicht achtsam:
dann drängt es hinein.

Gedichte über Wetter und die Elemente

Jagende Wolken! Blendendes Blau!
Ins grüne Gras greift der Wind, Silberweiden sträuben sich.

Arno Holz, „Abziehendes Gewitter

Regengedichte, Sonnengedichte, Gedichte über Nebel, Feuer und die Nacht – die Naturgedichte gehen nun wildromantisch weiter. Welches Gedicht gefällt Ihnen besonders? Ich würde mich freuen, wenn Sie mir das schreiben.

Regengedichte

Ein Gedicht über Regen

Ein grauer Vorhang fällt herab.
Naja, wir sind’s ja schon gewöhnt.
Das Wetter ist halt ungeschönt
es hält uns so auf Trab.

Und es ist ja durchaus nicht gesagt,
dass man Regen nicht auch genießen kann
drum raus mit euch, Kind, Frau und Mann
werdet kalt, nass, grau – doch unverzagt!

Sommerregen / Liebe

Die Nacht war lang, die Bar war voll,
ein kleiner Kuss vor ihrem Haus.
Ein schöner Ton, doch dann ein Moll –
ich möcht gern rein, sie schickt mich raus.

Der Weg zu mir ist nicht sehr nah,
die Busse fahren längst nicht mehr.
Kein Geld mehr für ein Taxi da,
ich gehe los, mein Herz ist schwer.

Versuche es mir schön zu reden –
ein Kuss, daraus kann noch was werden!
Aber gibt sie dem nicht jedem?
Ich bin der Einsamste auf Erden.

Den ganzen Tag war es so schwül,
auf einem Autodach, ein Klopfen –
jetzt wird es plötzlich merklich kühl,
ich spüre erste Regentropfen.

Es dauert nur ein paar Sekunden,
dann regnet es, so doll es kann,
als wollt‘ der Himmel Trost bekunden,
bin sofort nass, und nicht mehr klamm.

Erst will ich rasch nach Hause rennen,
doch merke bald, es ist zu spät.
Falls Sie Sommerregen kennen –
dann wissen Sie, wie das so geht.

Triefend nass patsch ich umher,
es ist nicht kalt, und ich muss lachen
und als ich schließlich doch heimkehr,
ist’s, als würde ich aufwachen.

Warum nur war mein Herz so schwer?
Es ist egal, war’n wohl die Triebe.
Am Montag geh ich zu ihr her
und sage ihr, dass ich sie liebe.


Eine Person, von hinten fotografiert, wandert über eine provisorische Holzbrücke über einen kleinen Teich im Regenwald.
Regengedicht: Nässe unten. Nässe oben.
Zum Glück ein Holzpfad wurd‘ geschoben.
Foto von Galen Crout auf Unsplash

Gewittergedichte

Das Gewitter kommt

Zuerst liegt es nur in der Luft.
Man kann es dort erahnen,
es ist ein spezieller Duft.
Es verläuft nicht in geordneten Bahnen.

Man spürt dann einen Wind.
Er ist anders, als man ihn kennt.
Manch Mutter ruft herein ihr Kind,
ohne dass sie das Gefühl beim Namen nennt.

Das alles läuft noch unbewusst.
Man schüttelt sich und nimmt’s nicht wahr.
Man spürt ein Klopfen in der Brust,
noch eh man etwas sah.

Dann verschwindet auch das Licht.
Die Sonne fort, und merklich kühl.
So ganz weiß man noch immer nicht,
was es für ein komisches Gefühl.

Dann schaut man auf, die Wolken schwarz.
Jetzt weiß man endlich, was geschieht.
Dann, plötzlich, noch ganz leise knarrt’s,
noch eh man erstes Leuchten sieht.

Und dann geht’s oft besonders schnell:
Das Wolkenrollen, Donnergrollen,
es zuckt und ruckt, wird plötzlich hell,
als erste Blitze durch den Himmel tollen.

Dann regnet es, man wird klitschnass.
Das Gewitter tobt, was für ein Segen!
Eine Stunde lang dauert der Spaß –
zurück bleibt der Geruch von Regen.

Das Gewitter in mir

Es donnert, dann ein Blitzen.
Irgendwann regnet es auch.
Du sitzt mir gegenüber,
etwas flitzt durch meinen Bauch.

Du singst dann ein Lied,
ich weiß nicht, wie es heißt.
Du sitzt mir gegenüber,
es ist, als ob es mich zerreißt.

Endlich kommst du näher,
Lichter durchzucken die Nacht.
Sie erhellen deine Augen,
als es draußen weiter kracht.

Deine Lippen berühren meine.
Ich will für immer bei dir sitzen.
Mein Herz fühlt etwas Neues:
Es donnert, dann ein Blitzen.

Nebel-Gedichte

Nebel über dem Meer

es nebelt auf dem meer
da schau her!
„wohin“, fragst du,
„der nebel ist wie augen zu“
du siehst mich nicht,
du hörst mich kaum.
ich wink dir wie ich kann:
du kommst keinen schritt heran!
Na dann –
fang ich nochmal von vorne an.
es nebelt auf dem meer
da schau her!

Noch ein Nebelgedicht

Welch Stille kommt mit diesem Nebel
legt sich, erstickend alle Sehnsucht
um unsere Münder wie ein Knebel
und stürzt uns all in tiefe Schlucht.

Wie wundersam sind dann die Strahlen
der Sonne, die durch ihn durchsieht
die dem Nebel streng befahlen
dass er den Strick um uns abzieht.

Wassergedichte

Akrostichon: Wasser

Wilde, tiefe, rauschende Flüsse –
Atemlos, feuchte Küsse –
Seen, tief wie unsere Seelen –
Sümpfe, die vom Tod erzählen –
Ein blaues Band, nur deutlich nasser –
Rotes Blut: alles aus Wasser.

Der Flitscher

Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll,
ich werfe einen Stein.
Dreimal Plätschern, dann erst Ruhe – toll!
Sehr gut geflitschert, fein.

Feuergedichte

Lagerfeuer

Seit ewigen Zeiten bringt es Wärme,
man sammelt sich, um zu erzählen
von Abenteuer, aus der Ferne
von unbekannten Menschenseelen.

Der Blick hinein, er hat schon immer
Sehnsucht nach andrem geweckt
doch mancher hat auch einen Schimmer
der Heimat tief darin entdeckt.

Ein Lagerfeuer, gut gebaut,
vermag uns Sicherheit zu geben
und, wenn ganz tief hineinschaut,
dann weiß man mehr über das Leben.

Sperriges Brandgedicht

Es brennt, es brennt,
ein jeder Mensch, der kann
rennt, er rennt,
aus dem Haus heraus und dann
schaut, ja er schaut,
hinauf zur Feuerbrunst
und genau, ja genau,
er atmet schweren Dunst
und er denkt, er denkt,
dass er es schaffte durch die Schwaden,
weil Gott ihn lenkt, ja, ihn lenkt,
obwohl ihn tatsächlich behördliche Brandschutzmaßnahmen geretettet haben.

Loderndes Feuer vor schwarzem Hintergrund.
Schwarz, rot, gold:
Das Feuer ist uns hold.
(Besser werden die Reime heute nicht mehr)
Foto von Marek Piwnicki auf Unsplash

Gedichte über die Nacht

Die Nacht

Und wieder bricht sie herein.
Feuer werden entfacht,
müssen bald bei Laune sein.

Und da ist sie schon, die Nacht.
Vögel und Menschen singen nicht mehr,
nirgendwo wird mehr gelacht.

Viel Sicherheit gibt sie nicht her,
die Nacht, mit ihrer Schwärze.
Es fürchtet sie so mancher Herr.

Manchem führte sie zu Schmerze,
so manchem hat sie Leid gebracht.
Wenn du hast, nimm eine Kerze.

Wenn du kannst, dann übersteh die Nacht.

Schwärze

Schwärze.
Nur Schwärze,
kein Licht.
Sie will, dass ich sie herze,
die Nacht,
doch ich kann es nicht.
Ich weiß nicht, was sie mit mir macht.
Schwärze,
nur Schwärze,
kein Licht.
Nur dieses Wort,
nur dieses Gedicht,
an einem Ort,
in dieser Nacht,
ich weiß nicht, was sie mit mir macht.
Schwärze.
Schwärze.

Die Nacht, beschrieben für jemanden der sie noch nie gesehen hat

Die Nacht hat viele Sterne
und manchmal auch Sternschnuppen
sie hat nicht sehr viel Wärme
manchmal frieren ab die Fingerkuppen.

Es glitzert alles in der Stadt
und rundherum ist Stille
irgendwo fressen sich Wölfe satt
und manchmal zirpt auch eine Grille.

Früh morgens singt die Nachtigall,
das ist ein Vogel, falls du das nicht weißt
dass nachts die Sonne scheint? Ein Sonderfall:
das sieht man nur, wenn man an den Nordpol reist.

Vielleicht schaust du dir sie einfach mal selber an
die Nacht, du wirst sie schätzen.
Schaust hinauf zu Mond und Sternen, dann
wird ihr Charme auch dich verhexen.

Flattermann

Es flattert ein Falter
über den Asphalt
der Asphalt ist schon kalt
in der sternenklaren Nacht.
Der Falter sagt „Alter,
die Welt ist wie gemalt
und ich habe gerade
keinen Gedanken gedacht.“
Und so fliegt er weiter
über ihm die Plejade
und alles was er noch macht
in dieser Nacht,
macht er heiter.

Gedichte über die Welt und das Weltall

Haben Sie schon einmal in einer sternenklaren Sommernacht auf dem Rücken im Gras gelegen und die Milchstraße betrachtet? Ich hoffe ja – wenn nicht, sollten Sie das schleunigst mal tun. Es gibt nichts, was mehr ins Grübel bringt, als der Mond, die Sterne, das Weltall, die Unendlichkeit der Zeit und des Universums.

Sie finden hier nun ein paar Gedicht über den Mond, die Sonne, den Himmel, die Sterne und Planeten – denn wenn diese nicht direkt in unserer Um-Welt sind, gehören Sie doch auch irgendwie zur Natur. Oder?

Mondgedichte

Vergessen Sie bei aller Freude über die Gedichte des Gedichtefreunds nicht das berühmteste Mondgedicht der Deutschen: Mondnacht von Eichendorff.

Ein Gedicht über den Mond

Der Mond steht hoch am Himmelszelt,
bestrahlt von dort die halbe Welt.
Er gibt nur indirektes Licht –
ob er das mag, ich weiß es nicht.

Vielleicht wär‘ er gern selber Star,
ein glühend feuerroter Stern
ein Gleicher in der Sonnenschar,
vielleicht hätt er das gern.

Vielleicht wird bald ein Astronaut
zu ihm fliegen und ihn fragen
vielleicht er sich ihm anvertraut
und „Mir geht’s gut“ der Menschheit sagen.

Der Mann im Mond

Wie kommt der Mann bloß in den Mond?
Grub er sich dort ein Loch?
Hat er einst oben drauf gewohnt –
oder tut er’s noch?

Da soll ein Mann im Monde sein,
das klingt nicht sehr genau.
Mir fallen noch mehr Fragen ein:
hat er zum Beispiel eine Frau?

Was hat er sich dabei gedacht?
„tut es sich vielleicht lohnen?
ich flieg mal hoch, nur auf Verdacht,
werd fortan im Monde wohnen?“

Ich wollte nicht im Monde leben
und garantiert auch nicht dahinter.
Wobei – tät’s da oben WLAN geben,
wär’s vielleicht für’n Urlaub was, im Herbst oder im Winter.

Der Mond am Nachthimmel ist ja schon ein Gedicht an sich.
Siehst du den Mann im Mond?
Ob er da gerne wohnt?
Foto von Matteus Silva auf Unsplash

Sophie und der Mond

Ein Mond ist aufgegangen
sie weiß noch nicht, dass es nur einen gibt.
Der sich, wenn es nicht verhangen,
lautlos über den Himmel schiebt.
Jeden Abend sucht sie ihn –
freut sich, wenn er sich ihr zeigt –
und manchmal, wenn er besonders hell ihr schien
ist sie ganz ehrfürchtig und schweigt.
Der Mond ist sowas wie ein Freund für sie
deutet ihr den Weg, ist ihr Begleiter
und, es ist wohl nur meine Fantasie,
vielleicht fliegt sie zu ihm, oder noch weiter
eines Tages, man weiß ja nie.

Ein Mann geht zum Mond

Ein Mann geht zum Mond.
Der Weg ist weit,
ob sich das lohnt?

Es ist sicher nur Eitelkeit
die ihn dazu treibt
immerhin, der Mann hat Schneid.

Er weiß, dass er Geschichte schreibt
denn nie zuvor ging man zu Fuß
ein Rekord, der wohl bestehenbleibt.

Er richtet seine Hand zum Gruß
Geht den ersten Schritt in den Weltraum.
Und, das Gedicht wird jetzt zum Blues –

Da ist auch schon aus der Traum.
Der Mann erstickt, nicht weit gebracht.
„Der war schon immer so ein Clown“,

sagt jemand, „ich hab’s mir gleich gedacht.“

Sonnengedichte

Sonnenversteher

Die Sonne schreit und schreit und schreit
sie strahlt und strahlt und strahlt:
„WARUM IST HIER KEINER WEIT UND BREIT
DER DIE STROMRECHNUNG BEZAHLT?“

Nun, wer sich mit Physik auskennt
der wird sagen „Das ist krank!
Die Sonne nicht dank Strome brennt
sondern mit Erdgas, vielen Dank!“

Ewiges Sonnengedicht

Unbarmherziges Brennen.
Höllenfeuriges Schmelzen.
Ein Glück, dass uns trennen
wortwörtliche Welten.

Gibt uns Ewigkeiten Leben.
Sieht wie du, wie ich für immer sterbe.
Sieht uns Geschichten weben,
überdauert unsere Särge.

Irgendwann, wenn sie erlischt,
sind wir seit Ewigkeiten fort.
Wenn das letzte Photon zischt,
verhallte längst das letzte Wort.

Noch ein Sonnengedicht

Ich trinke ihre Milch
ich leide unter ihrem Brand
ich trage ihren Hut
und lieg an ihrem Strand.
Ich seh wie sie lacht
und ihre Finsternis
sie hat Götter gebracht
and she gives me a kiss.
Die Sonne hat viele Gesichter.
Die Sonne hat viele Geschichten.
Sie ist der übelste Belichter
es ist schwer, sie zu bedichten.

Noah und die Sonne

Mal ist sie ihm zu hell, dann wieder nicht.
Mal ist sie ihm Krach, mal ein Gedicht.
So richtig kann er sie noch nicht verstehen
ins Auge versucht er manchmal ihr zu sehen.

Dann beißt sie ihn, und er blinzelt kräftig,
dann muss er niesen, und regt sich drüber auf
die Sonne ist stets ziemlich geschäftig
nur nachts nicht, das nimmt er auch in Kauf.

Sie gehen oft gemeinsam müde schlafen
die Sonne gern, er sieht es meist nicht ein.
Ein paar Stunden lang liegt er im sichren Hafen
und lässt die Sonne nächsten Tags wieder hinein.

Erde-Gedichte

Die Erde

Ruhig liegt sie, und stumm
dreht sich, soweit wir wissen
stetig um sich selbst herum
nimmt nie ein Kissen,
fliegt immer weiter,
bis in alle Zeiten,
hat keine Leiter
um ins Weltall einzusteigen,
sie trägt uns bei sich,
lässt uns nicht los,
sie ist beharrlich
und weltengroß.

Einsame Erde

Fliegt durch die Nacht, immer allein.
Nähert sich, entfernt sich wieder.
Kann niemals gemeinsam sein,
die Schwerkraft schüchtern, bieder.

Dabei zieht sie durchaus an –
gibt sich selbst so viel Gewicht.
Doch Kontakte, irgendwann?
Findet sie nicht.

Sonne, Mond, Kometen, Sterne,
sie werden nie der Erde Bier.
Sie grüßt für immer aus der Ferne.
Ihre einzige Freunde: sind wir?

Umweltgedichte

Deine Umwelt, meine Umwelt

Wenn dir etwas an der Umwelt liegt
vielleicht nur an deiner, unmittelbar,
dann hilf mit, dass sie die Kurve kriegt,
sonst ist sie bald nicht mehr da.

Zumindest nicht so, wie du sie kennst:
Denn wenn nicht, und das ist klar,
dann wird das, was du zuhause nennst
nie wieder sein, so wie es war.

Katastophengedicht

Vorsicht, all ihr Wellenkämme!
Die Gefahr ist nah!
Euch droht nicht nur die Plastikschwemme:
Sie ist schon da.

Schildkröten kauen Plastiktüten.
Fische filtern Mikroperlen.
Des Menschen Wahnsinns Plastikblüten:
Zum Meeresgrund mit diesen Kerlen!

Es ist nichtmal die einzig‘ Not,
das Plastik, für Freund Quall‘ und Wal.
Wahrscheinlich ist das Meer bald tot.
Den Menschen ist es, scheint’s, egal.

Gedichte über das Universum

Sperriges Gedicht über das Universum

Man sollte nicht zu lange draußen liegen,
in dunkelschwarzen Nächten,
und durch melancholische Gedanken fliegen,
und träumen von unvorstellbar‘ Mächten.

Man darf dann nicht zu kräftig in den Himmel schauen,
in diesen dunkelschwarzen Nächten,
denn dann könnte es zu stark im Magen flauen,
wenn die Gedanken an die Ferne zuviel Chaos brächten.

Man sollte nicht das Universum überdenken,
in diesen dunkelschwarzen Nächten,
seine Kräfte besser auf seine irdischen Probleme lenken,
zur Not auch auf die Schlechten.

Die Unendlichkeit

Unendlichkeit, was soll das sein?
macht Unendlichkeit mich klein?
Unvorstellbar groß, okay,
da tut mir nicht das Ego weh.
Aber Unendlichkeit, ich weiß ja nicht.
Universum, sag mir ins Gesicht:
Hast du wirklich keinen Rand?
Bin ich wirklich so insignifikant?
Doch das Universum schweigt.
Es schweigt in die Unendlichkeit.

Atme das Dunkel der Erde und wieder
aufschau! Wieder. Leicht und gesichtlos,
lehnt sich von oben Tiefe dir an. Das gelöste
nachtenthaltne Gesicht gibt dem deinigen Raum.
Rilke, Überfließender Himmel verschwendeter Sterne

Fot von Marek Piwnicki auf Unsplash

Noch mehr Naturgedichte

Und zum Schluss noch Naturgedichte, die in keine andere Kategorie passen: Die Tiergedichte. Und weil diese eine eigene Kategorie verdienen, haben sie die auch gekriegt. Die drei hier sind also nur eine kleine Auswahl der vielen Tiergedichte die Sie finden, wenn Sie auf diesen Link klicken: Tiergedichte für Kinder und Erwachsene. Es müssen ja nicht immer „Die drei Spatzen“ von Morgenstern sein.

Tiergedichte

Kein Wurmfreund

Ein Ri-! Ein Ra-! Ein Riesenwurm!
Mir wird angst und bange!
Oh, wohl doch nur eine Schlange.
Umsonst war dieser Paniksturm.

Denn Würmer sind mir stets ein Graus,
da lob ich mir das Züngeltier.
Das ist stets fürsorglich zu mir,
denn ein Wurm ist ihm ein Gaumenschmaus.

Okay, das Gift und ja, der Glitsch,
aber haben Sie je Wurm gesehen?
Mit Schlange wird er schnell vergehen,
sie frisst ihn auf mit einem Witsch.

Lustiges Wettergedicht?

Hast du schon gehört?
Der Wetterfrosch ist tot.
Hat dem Bauer wohl gedroht
mit Dürre, sehr empört.

Da hat der Bauer Traktoren
geholt aus seiner Scheun
und aus allen Rohren
den Frosch gejagt, um Neun.

Der Frosch hatte wohl keinen Schnitt
der Bauer konnt ihn mäh’n,
Doch obwohl er Frosches Plan abstritt:
die Dürre kam trotzdem.

Möchtegern-Ameise

Für uns ganz und gar unhörbar leise:
Spaziert hier eine Ameise.
Stolz und keck tanzt sie umher,
sie zu sehen fällt uns schwer.
Das enttäuscht sie offensichtlich,
nachdenklich reibt sie ihr Gesicht sich.
Dann holt sie her alle Kollegen,
die sich mit ihr im Raum bewegen.
Das sieht nun endlich sie der Hausmann
kreischt, flucht, tobt und fängt gekonnt an,
nicht nur furchtbar rumzuhampeln,
sondern auch wütend auf sie draufzutrampeln.
Der Ameise ist plötzlich platt,
doch ihr letzter Gedanke freudesatt:
Endlich bekam sie Aufmerksamkeit –
sie ist die bekannteste Ameise ihrer Zeit.

Froschi

Auf einer grünen feuchten Wiese
sitzt ein Frosch, und er heißt Horst
„Wie ich diese Ruh‘ geniese“
sagt Horst, und fliegt dann fort.

Er fliegt fort?

Ist Horst etwa ein Flügeltier?
Ich erklär es dir, horch horch!
Er ist Erste-Klasse-Passagier
im Schnabel von Herrn Storch.

… und noch ein kleines Gedicht über Bienen

2 Gedanken zu „Naturgedichte / Naturlyrik“

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