Christliche Gedichte

Christliche Gedichte gehören zu den schönsten Gedichten überhaupt – selbst, wenn man nicht gläubig ist. Man denke nur an die Werke von Rilke, z. B. Herbsttag („Herr, es ist Zeit …“).

Es müssen nicht immer nur Gedichte zur Weihnachtszeit sein, die einen christlichen Anstrich haben dürfen, auch zur Hochzeit, zu Geburtstagen, zu Kommunion und Konfirmation sind christliche Gedichte durchaus gefragt.

Sie finden hier eine wachsende Anzahl religiöser Gedichte, die vielleicht auch den ein oder anderen zweiflerischen Mitklang haben könnten – so, wie der Zweifel eben zum Christentum dazu gehört. Die Gedichte sind eher zeitgenössisch.

Drei christliche Holzkreuze auf einem Hügel, das Meer oder einen See überragend.
Jemand wird wohl über uns richten –
ihn/sie loben wir mit christlichen Gedichten.
Foto von Sangia auf Unsplash

Viel Spaß!

Allgemeine christliche Gedichte

Ein Christ

Was bedeutet es überhaupt Christ zu sein?
Hat man dafür rein
oder besonders fein
oder unschuldig und klein
oder in den richtigen Momenten heim
und niemals allein
zu sein?
Braucht man für das Christsein Verstand?
Braucht man dafür Kant?
Ich wüsste gerne, was es ist:
Woran es sich bemisst,
dass man ein guter Christ.
Ob ihr es wisst?

Man weiß es nicht

Ich kenne nicht die Heiligen.
Kenne kaum Gebete.
Ich gehöre zu den Eiligen
ich brauche schnelle Knete.
Ich habe keine Zeit für Atem
keine Zeit zum Beten,
ist das nicht sowieso für Alte
und ausschließlich für Heten?
Ach, manchmal sehne ich
mich doch danach und glaube
an mehr als nur an mich
an die weiße Taube
und vielleicht an dich.
Ich fürchte, so genau
weiß ich es nicht.

Gedichte über Gott

Gedichte über Gott – manchmal auch Gebete – werden seit Jahrhunderten gedichtet. Die hier dargestellten Gedichte sind weit davon entfernt, an die „Großen“ heranzureichen, andererseits heißt es ja, das Gott jedem gleich nah ist, so lange er nur glaubt. Oder zumindest hofft?

Wie es richtig

Man sagt, er sei so unergründlich.
Andere, dass er sekündlich
unser aller Wege lenkt.
Was er sich wohl dabei denkt?

Man sagt, er sei sogar allmächtig.
Auch, dass er allnächtlich
unsren guten Schlaf bewacht.
Was hat ihn dazu gebracht?

Man sagt, er sei unendlich gütig.
Auch, dass ihr alle demütig
ihm gegenüberstehen sollt.
Hat er das überhaupt gewollt?

Manch einer sagt, er sei nicht wahr.
Ein And’rer, er sei schon immer da
und er würde ewig bleiben.
Wird er sich uns jemals zeigen?

Weiß Gott, was wirklich ist mit ihm.
Sollen wir täglich niederknien?
Oder ist ihm das nicht wichtig?
Mein Gott, sag uns, wie ist es richtig.

Gedichte zur Auferstehung

Gedicht von der Auferstehung

Maria trat hinein ins Grabe
zu tun, was letzte Ehr‘ erweist.
Wich aus ihrem Gesicht die Farbe,
Als sie es fand verwaist?

Am dritten Tage kehrt‘ er wieder
erwecket von den ewig Toten.
Ich stell mir vor, er streckt die Glieder,
sah klar, was ihm war feilgeboten.

Er durchzog die Welt noch 40 Tage.
Was er da tat, weiß niemand mehr.
Manchmal find’ ich in mir die Frage:
Wie war das Wetter? Sah er das Meer?

Hatte er bereits vernommen
was folgen würde auf sein Leid?
Wusste er, nach ihm würd‘ kommen
zwei tausend Jahre Christenheit?

All das werden wir nie erfahren.
Er nahm dann Platz an Gottes Seiten
und sitzt dort seit so vielen Jahren
und sucht, durch’s Leben uns zu leiten.

Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

Rilke, „Herbsttag“

2 Gedanken zu „Christliche Gedichte“

Kommentare sind geschlossen.