Gedicht des Tages

Sie finden hier in chronologischer Reihenfolge alle Gedichte des Tages vom Herrn Gedichtefreund. Viel Spaß!

Aktuell legen die Tagesgedichte aufgrund anderer Projekte eine Kunstpause ein 🙂

Mai 2022

02.05.2022 – Schnullerfee

Ach gäb es doch für alles eine Schnullerfee
für Zähne gibt es sie, das weiß man ja.
Doch tät es weniger uns weh
wär‘ sie auch für was andres da.

„Ab heute keinen Zucker mehr!
Nehme alles Süße von dir weg!
Als Geschenk ein Schießgewehr
und Iterinaire zum nächsten Steg.“

Beides bräuchte ich dann freilich nicht
denn am nächsten Tage dann
da käme schon der nächste Wicht
in Feengestalt. Nachts irgendwann.

„Ab heute niemals Depri mehr!
Gar niemals mehr die böse Miene!“
All‘ Graugedanken fort, na danke sehr,
und hinterließ eine Tüte Endorphine.

So würde mir die Feenschar
alltäglich etwas nehmen.
Nahm mir die Scham auch, wunderbar,
muss mich nicht einmal mehr schämen.

01.05.2022 – Der Urbanause

Es war einmal ein Urbanause
machte schon um 10 ne Pause
feierte dann ’ne kleine Sause
und flog zurück mit viel Gebrause
zu seinem Tisch.
Dann aß er Fisch,
und sagte dann ganz feierlisch
„Jetzt reicht es misch.“
Dann ging er hinaus
kam bald nach Haus
und schaltete aus
die letzte Flaus‘
und machte für immer eine Pause.
Der Urbanause.

April 2022

Kurze Pause im April zum Kräftesammeln … wird nächstes Jahr nachgeholt 😉

März 2022

31.03.2022 – In einer Zukunft

Es war einmal ein alter Herr
sein Name: Mister Fantastik.
Der ruderte einst über’s Meer:
ein Meer komplett aus Plastik.

Das Wasser war schon lange fort
nur Plastl war, in allen Ritzen.
Jedes Rinnsal, jede Furt,
in aller Erdenschluchten Spitzen.

Der Herr Fantastik war allein
er war alt, konnt kaum noch stehen.
Stürzte sich dann in die Fluten rein
und ward nicht mehr gesehn.

30.03.2022 – Vielleicht doch

Wenn der Himmel schon voll wäre
und nur dort alles toll wäre
und dann die Erde wär, was mittel-
gut, dann zeriss ich meinen Kittel
vor Wut und dächte noch:
In der Hölle könnt’s noch schlimmer sein
drum steck ich extra Schweinhund rein
und genieß das Leben doch.

29.03.2022 – Ein letzter Tag

An einem letzten Tag nimmt man alles ganz anders wahr:
Die Menschen, Geräusche, den Ort und die Sterne.
Das einzigartige Glänzen in ihrem Haar
winkt noch beim Umdrehen aus einer Ferne.

Wenn alles was Abschied, landläufig auch Anfang sei
warum fühlt es sich dann nur nach Weniger an?
So steht man am Abend am Afrikakai
und fragt sich ob schon etwas Neues begann.

Da fährt dann ein Schiff mit zehntausend Kartons
in die Nacht hinein, mit unbekanntem Ziel.
Und in Verstärkung dieses metaphorischen Zwischentons
leuchtet der Mond besonders hell auf meinen Kiel.

28.03.2022 – Sonntags, ein Elfchen-Triplett

Sonntags
Am Morgen
Kummer und Sorgen
ich jedoch, ich wag’s:
Aufstehen.

Sonntags
Um Mittags
Mach ich Situps
denn Bewegung bringt Segen
Deswegen.

Sonntags
Am Abend
Schwere Miene tragend
War die Woche okay?
Nee.

27.03.2022 – Am Meer

Am Meer:
Möwen.
Tochter sagt Löwen.
Ist nicht richtig
aber auch nicht so wichtig.
Zum Meer warn wir erst ein, zwei Male
doch wichtiger ist Pommes-Schale.
Möwe kommt und kreischt
begibt sich in Töchterleins Gelände
bis Tochter sie behende
in die Füße beißt.
Möwes Aha-Moment:
Wenn man das Kind nicht kennt
Nicht die Pommes klauen.
Sonst wird es, egal ob Möwe oder Löwe,
dich eventuell verhauen.

26.03.2022 – Hass, Hass

Hass, Hass,
wir brauchen Hass,
(weswegen, Alter?)
Hass, Hass,
wir brauchen Hass
sei ihr down?
Zyklisch, zyklisch, immer wieder
zyklisch zyklisch, alles klar
zyklisch zyklisch, immer wieder
zyklisch zyklisch ist Hass da.

25.03.2022 – Neue Tastatur

Hatte Maushand und Mausfinger
hab gekauft zwei neue Dinger.
Ergomaus und -tastatur
das Problem ist folgend nur:

Mit dieser ergonomisch Maus
rutsch ich stets auf den Zeilen aus
und mit der verdammten Tastatur
verbuchsle ich die Staben stur.

So wird aus Zeppelin ein Aal
und aus Xylophon ein Persipan
zwar ergonomisch, doch ne Qual
neues Gerät: Kompletter Wahn.

24.03.2022 – Baklava 3

Ich back Lava
wird fest
bisschen Honig drauf
so bis es nässt.
Schmeckt nach Gestein
wenn es zu hart
noch etwas Butter,
wieder zart.
Bin wohl kein Chef
der Baklava
gut backen kann
das ist schon wahr.
Doch ob aus Lava
ob aus Stein
Baklava, ich bin dein Lover
könnte ohne dich nicht sein.

23.03.2022 – Unter der Maske

Unter der Maske
sahst du besser aus
denn sie verdeckte auch dein Herz.
Und das ist grau wie eine Maus
und eingekerkert wie ein Nerz.

Unter der Maske
konnt‘ ich dich nicht riechen
jetzt kann ich es, und kann’s doch nicht.
Mit dir hier sein, es ist ein Siechen
in dem man sich tagaus tagein tiefer verflicht.

Unter der Maske
wagst du noch zu lachen!
Doch mir bleibt es im Halse hängen
du eisgekühlt brandheißer Drachen
ich gebe nach dem alten Drängen
schieb ein Stück Holz in deinen Rachen
und entreiße mich nun deinen Fängen.

22.03.2022 – Durchsichtiger Engel

Oh du durchsichtiger Engel
der du in allem steckst
und unseren täglichen Flüssigkeitsbedarf
und den der Welt genügsam deckst.

Oh du leicht gefrierbar Putte
der du uns auf Seen wandeln lässt
mit Kufen, Handschuh, Winterkutte
und uns nur nach längerer Erwärmung nässt.

Oh du heißt verdampfender Cherub
der hoch in den Himmel dampft
der sich tief in unsere Bronchien grub
wenn es in diesen eitrig krampft.

Oh du durchsichtiger Engel.

21.03.2022 – Schwarzbrauner Teufel

Oh du schwarzbrauner Knilch
wir trinken dich in der Frühe
wir trinken dich mit Milch
vom Hafer ohne Kühe
und wenn du im Magen bist
und dort die Rezeptoren küsst
dauert’s nicht lange bis man kackt und pisst
als hätte man’s schon lang gemüsst.

Oh du schwarzbrauner Mokka
wir trinken dich am Nachmittag
wir trinken dich mit Zucker
und auch wenn ich dich gern mag
brennst du mir Sod.
Dann brauche ich Pille
sonst gehe ich tot
doch auf dich verzichten? Da fehlt mir der Wille.

Oh du schwarzbrauner Teufel.

20.03.2022 – Zahmer Grobian

kein andrer ist so ungewiss
was er gern bedeuten will
ein knallig lautes tiergebiss
das von märz brüllt bis april?

oder doch lieber ein weicher kerle
der sich still an jede wiese schmiegt
weiß und sacht, wie eine perle
dann hoch hinaus zum himmel fliegt?

ob gänzlich zahm, ob grobian –
er kann beides:
Löwenzahn.

Gedanken zum Gedicht: Ein Blumengedicht.

19.03.2022 – annas affe

annas affe äfft
anna: ab affe ab
annas affe hat angst
anna: aha

anna angelt aal
anna malt ananas
anna ahnt
anna: affe affe
anna atmet

annas affe rannte
anna: warte affe warte
annas affe wartet
annas affe kackt
anna: ach was

Gedanken zum Gedicht: Ein Parallelgedicht.

18.03.2022 – Konkretes Metall

Eckige Worte mit Kanten.
Holziger Mord an Verwandten.
Gegenüberstellung des Andern
Konkretes Metall, Katzendreck.
Durch deutsches Wortunkraut wandern
von gestern: Fort aus und weg.
Ab nun nur noch stahlharte Sätze
messriges Hackspitzgeschwätze.
Gedichte und Lyrik nach Maß
und Reinheitsgebotbier vom Fahß.
Das war’s.

17.03.2022 – Leixicht #2

Nolloma Leixicht?
Muwei, muwei, doflicht.
Adalé, adalé, oh adalé!
Wollaín, wollein, diré.

Niemiwiesi wura meit
Waßawas, illo-lá.
Wewiesi wagt, boleit:
Sprihü, sprihü, tata.

Donu allezze Leixicht
li-eh, li-eh nie-maht
Keinie-miné parat
Memöwi mimö: auch nicht.

16.03.2022 – Leixicht

Hui, fliegeflage hui
rirum rarorém (adelaceh):
waua wau, au, weh,
hui, falogefalle phui.

Bekiere mala Xicht
eitüti itimaba
fafalla-falla faba?
imíti-heite: Nicht.

Diesivi au Jubaba
verstohli mussuni
drufick fickficki kni
rabibelo Rhabarber.

15.03.2022 – Paar Dinge, die man machen kann

Friede den Hütten!
Kohlegruben zuschütten
Blumen säen
Früh ins Bett gehen
Plauschen und plaudern
Machen, nicht zaudern
Küsse knutschen
Rutschen rutschen
Alles einreißen
Chefs wegbeißen
Alles aufbauen
Gletscher enttauen
Stecker rausziehen
Sich in Träume fliehen
Träume leben
Nach Freiheit streben
Mit Freunden versacken
Brot selber backen
Umarmen mit Gästen
Krieg den Palästen!

14.03.2022 – Tomorrow is too still a day

Live every day as if it your last were
why is this so superschwör?
why have i such schüttres hair?
why is my life not einfacher?
„sleep can you when you are dead“
Oh if I only such a Einstellung had …
sometimes think I: I stand myself in the way
But tomorrow is too still a day

13.03.2022 – i,i

Da, eine Palmi.
Und ein Hausi, wie fein.
Hier kriegt man besonders gute Salami
vom Rindi, vom Huhni und Schwein.
Ich ess zwar überhaupt sowas nicht
weil die Tieris die tun mir so Leid.
Die Pomodori hier vorne sind ein Gedicht
und da vorne kriegst du das beste Kleid.
Da, eine Blumi
und ein Booti, wie fein.
Hier kriegt man besonders gutes Halloumi
doch der Ladi ist leider sehr klein.
Itzi bibitzi und hilli bibilli
und schibi-dibidi-dumm-dumm
und Lillivanillili im Schwitzibikini
Und easypi-peasy-bumm-bumm.

12.03.2022 – Kanzler Waurich

Das ist nun ein Dutzend Jahre her,
dass er unser Anführer war.
Wir lernten bei ihm: „Pazifist ist wohl der,
der zurück hält sein Heer
wenn die Lage ist großteils unklar.“

„Fördern und fordern“ war sein liebster Satz,
den spie er gleich eintausend Mal.
Das wurde dann sein politischer Schatz
und sie fühlten sich wie die Goliaths
und kürzten Leistungen pauschal.

So trat er ab mit etwas Beschwerde
und wurde ersetzt lange Zeit.
Man fragte sich, was wohl aus ihm werde,
er trat dann ein in die Oligarchenherde
und brachte es dort durchaus weit.

Doch mit den zunehmenden Jahren
kam es in nahem Lande zum Krieg.
Und er, mit seinen schwarzgrauen Haaren,
fiel auf durch sein überaus fieses Gebahren
weil er nicht aus dieser Herde ausstieg.

Das gute Bild, das man noch hatte,
fiel also zusammen wie ein Kartenhaus.
und der Kanzler in seiner blutroten Krawatte
war nicht mehr viel mehr als eine Ratte
die dem Rattenkönig klatschte Applaus.

Gedanken zum Gedicht: Am Ende sind natürlich alle mit dem Schrecken davon gekommen und niemand wurde wirklich zu Brei geschlagen. Auch die beiden Streithähne haben sich anschließend versöhnt und treffen sich noch heute regelmäßig auf ein Astra.

11.03.2022 – Tattoo

Du checkst
alle Kästchen
nach und nach.
Ach,
du weckst
mich auf meinem Ästchen,
hältst wach.
Du deckst
alles ab
auch mein Dach
dass ich mir, hach,
in den Jahren aufgeschindelt hab.
Du befleckst
meine weiße Weste, schaufelst flach
doch immer tiefer
und in immer tiefer
mein Grab.

10.03.2022 – Täglich

Schreiben Sie mal jeden Tag ein Gedicht.
Oder zwölf. Oder eintausend!
Sie werden sehen, nägelkrausend,
so einfach ist die Sch** nicht.

Vor allem dieser schnelle Wechsel
zwischen Trauer, Wut und Heiterkeit
ich setz mich täglich hintern Drechsel
der Lyrik, doch bin’s manchmal Leid.

Es ist ja selbstgewähltes Siechen
könnte jederzeit damit aufhören.
Doch noch mag ich nicht fortkriechen
aus den Gedichtmixnadelöhren.

09.03.2022 – Polizei

Eins Zwei, Keilerei
Drei Vier, zu viel Bier
Fünf Sechs, war wohl Beck’s
Sieben Acht, hat Krach gemacht
Neun Zehn, die Flasche auf dem Kopf zu sehn
Elf und mittenmang voll auf die Zwölf.

Zwölf Elf, Bullen, helft!
Zehn Neun, Polizei sagt „Moin“
Acht Sieben, „Hiergeblieben!“
Sechs Fünf, auf die Strümpf
Vier Drei, schläft ihn zu Brei (mit Keule)
Zwei Eins, Ende des Schweins.
Null Null, etwas Mull, hilft gegen die Beule.
Nochmal Acht, gute Nacht, (weil man das so macht).

Gedanken zum Gedicht: Am Ende sind natürlich alle mit dem Schrecken davon gekommen und niemand wurde wirklich zu Brei geschlagen. Auch die beiden Streithähne haben sich anschließend versöhnt und treffen sich noch heute regelmäßig auf ein Astra.

08.03.2022 – Freie Meinungsäußerung

Stimmt vielleicht nicht ganz
was ich hier sage.
Meine Meinung ist ein Eiertanz,
ganz ohne Frage.

Wer es wissen will,
soll’s wissen.
Alle andren bleiben still,
soll’n sich verpissen.

Und doch darf ich es sagen.
Und so lange das noch gilt,
solange wir’s noch wagen
ist’s nicht so wild.

07.03.2022 – Vier Fotos, mehr

Erstes Foto: Eingang.
Sie rennen, sie weint.
Zweites Foto: Assessment.
Hoffnung keimt.

Drittes Foto: Mehr Tränen.
Ärzte murmeln entsetzt.
Viertes Foto: Gebrochen.
Das Kind tot, die Welt verletzt.

Das Fotoalbum des Ganzen
zu groß, omnipräsent.
Der Einband ist verbrannt
alle Seiten blutgetränkt.

06.03.2022 – Aperitif

Es ist vielleicht nur ein Aperitif
oder Apéro, wie der Franzose sagt.
Erst nimmt man ein die Stadt Kyiv
und dann mal sehn, wer’s Wehren wagt.

05.03.2022 – die Maus

Die Maus gibt Acht was die Katze macht:
Spielt vergnügt im Nachbargarten.

Maus zum Kinde: Trotzdem Vorsicht!
Was die Katze weiß, das weiß man nicht.

Lieber noch warten.

Katz‘ dann weg, an andrem Fleck
Maus und Kinde traun sich raus.

Die Katze war doch nur versteckt
packt Mausekind und schmaust:

Sie mag so gern die jungen Zarten.

04.03.2022 – Aus

Ich lass mir Scheuklappen anpassen
die klapp ich von der Seite stramm nach vorn.
Dann hätt‘ ich mein Sichtfeld ganz verlorn
würd sie danach nicht mehr anfassen.

Ich zieh die Hände so weit ich kann in mich zurück
dass meine Ärmel labberig rumhängen
dann werd ich die Öffnungen ansengen
dann fühlen meine Fingerspitzen nur noch meine Haut. Ein Glück.

Dann bitte ich freundlich um Unterstützung
man möge Kopfhörer auf meine Ohren setzen
Waldvogeltöne mögen meine Gehörgänge benetzen
und sonst nichts – und das ist keine Überspitzung.

Dann setz ich mich in einen leeren Raum
mit einer Wäscheklammer fest auf meiner Nase
und so verbringe ich die ganze nächste Phase
die immer mehr anmutet wie ein böser Traum.

So bleib ich so Gott will noch in Balance
und hoffe, dass eine ruhige Welt mich wieder weckt
doch wenn ich sehe, was in dieser Menschheit steckt
dann gibt’s dafür wahrscheinlich keine große Chance.

Gedanken zum Gedicht: Sollte irgendwann mal tatsächlich jemand in einem Rutsch diese Gedichte lesen und sich darüber ärgern, wie hier doch eher kritischere Gedichte zu kritischen Momenten der Weltgeschichte direkt neben Gedichten wie „Süßwürgia“ stehen – wie alle anderen auch versuche ich denke ich gerade, die kritischen Gedankengänge durch deutlich unkritischere Gedankengänge aktiv zu ersetzen. Manchmal entsteht so ein Gedicht des Tages an einem unkritischen Tag in einem kritischeren Moment, manchmal an einem kritischeren Tag in einem unkritischeren Moment.

03.03.2022 – Süßwürgia

Süßwürgia war da
hat Zückerli gebracht
und in ihrem BH
Karamell daraus gemacht.
Das hat sie dann verspeist
zu viel davon, oh nein
es blieb was drin, doch’s meist‘
kotzt sie in mein Standklosett hinein.
Süßwürgia war da.

02.03.2022 – Im Gestern

Man lebt im Gestern
sagt seinen Brüdern und Schwestern Guten Tag.
Die machen’s nicht besser
sie kaufen ein Messer
und rammen’s wer weiß wem ins Mark.
Man lebt im Gestern
sagt seinen Brüdern und Schwestern Gute Nacht.
Die lachen sich schlapp
weil sonst niemand hat
eine so vollkommen doch nutzlose Macht.

01.03.2022 – Kriegshaiku

Explosionen blühen
Fallende Häuser und Hände
Der Durst: Ungestillt.

Februar 2022

28.02.2022 – Runter

Da isser wieder schon vorbei
dem Februar ist einerlei
das hoffe ich für ihn zumindest
dass du mit ihm so schnell verschwindest.

Im Märzen sehen wir uns wieder
vielleicht ist da die Welt schon bunter
da blüht vielleicht der erste Flieder
und die Welt holt sich einen auf sich selbst her –

27.02.2022 – Die Lösung

Alle heben ihre Hände:
hier kommt nun die Klimawende!
Ganz plötzlich wird’s Problem gelöst,
uns die Erkenntnis langsam eingeflößt:

Dass, und das ist durchaus prima,
niemand braucht gesundes Klima,
wenn ein Sauhund uns ans Beine pisst –
und in der Welt Atomkrieg ist.

Gedanken zum Gedicht: Atomwitz – alle Strahlen. Gruß an Emil.

26.02.2022 – Die Neue

Die Neue ist noch frisch
sie stellt Obst und Zucker auf den Tisch
und hofft auf gute Tage
verständlich, keine Frage.

Es dauert doch nicht lang
bis oben, auf dem Rang
ein erster brüllt, sie sei jetzt alt
und, mit frömmlicher Gewalt

ist sie dann mittendrin, beschmutzt,
weil man sich hier doch abnutzt
und zwar wahrscheinlich bald.
Die Neue ahnt noch nichts. Sie strahlt.

25.02.2022 – Krieg #2

Die neuste Art von Angstkonsum:
Den ganzen Tag Newsfeed refreshen,
bis unsere Gehirne crashen:
Angli-infiziert: der Scroll of Doom.

24.02.2022 – Krieg

An einem späten Wintertag
an dem sich Krokusse sanft im Winde wiegen
ist er zu uns hinauf gestiegen
der, der lang in Ketten lag.

Er lag in einer Höhle, tausend Meilen tief,
so dachten wir, unendlich fern.
Er schien wie von einem anderen Stern,
wie jemand, der nur durch fremde Häuser lief
der nur in fremden Betten schlief.

Doch war die Kruste wohl zu schmal
die Ketten schwach, so wie der Wille,
und aus dieser trügerischen Stille
kam er zurück – lässt nicht die Wahl.

Lässt nicht die Wahl, als zu marschieren,
lässt nicht die Wahl, von ihm zu wissen.
Und, zwischen den knospenden Narzissen
lässt er keine Wahl, als sich zu positionieren.

Gedanken zum Gedicht: „In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt / Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand“ Natürlich stark beeinflusst (jedoch dahingeschludert) von Georg Heym.

23.02.2022 – Arm

Ich habe einen linken und einen rechten Arm
einen Dünn- und einen dicken Darm
rechts und links je eine Niere
(wie übrigens die meisten Tiere).

Ich habe sieben Zehen und dreizehn mehr
zwei Augen, und die mag ich sehr
denn nur durch sie kann ich die Welt betrachten
und die Augen meiner Frau beachten.

Ich habe zwar nur ein Gehirn
es versteckt sich hinter meiner Stirn.
Doch in meiner Brust, da schlägt ein Doppelherz:
Nein, das war ein schlechter Scherz.

So insgesamt bin ich zufrieden.
Man soll ja seinen Körper lieben.
Der Fettanteil ist etwas hoch
ich fürchte gar, er steiget noch.

Mit etwas Glück ein paar Dekaden
werd ich in diesem Leib noch haben.
Dann, im Eichensarge drin
verwest er langsam vor sich hin.

Dann wachsen darin Fliegeneier
sie feiern eine Fliegenfeier
und irgendwann bin ich ein Moos
und neue Leben gehen los.

22.02.2022 – Baklava 2

Auch heute noch kein Baklava
mein Herzkrankzgefäße atmen auf.
Auf stellt sich mein schüttres Haar
die Hose ruscht um einen Knauf.

Mein Doppelkirn schrumpft um ein Drittel
die Erektion ist wieder fest.
Bist, Baklava, ein böses Mittel,
weil du mich vorzeitig altern lässt.

Baklava, ach Baklava.
Entzug tut gut, Gott weiß es ja.

21.02.2022 – Baklava

Baklava, ach Baklava
zartschmelzend buttrig, tralala.
Was ficht mich an die ganze Welt
wenn sie mir Baklava bestellt.

Baklava, ach Baklava
pampig süß und wunderbar.
Ich hab nicht Angst und hab nicht Schmerz
wenn Baklava in meinem Herz.

Baklava, ach Baklava
ist heut‘ leider nicht lieferbar.
Mir steht der Sinn nach amokieren
kann ich Baklava nicht adorieren.

Baklava, ach Baklava.
Morgen bist du wieder da.

20.02.2022 – Snej

Über den Tisch zieht eine Schneise
der Hummus, kiloweise.
Völlig ohne Not
gibt es für Heere genug Brot.
Noch lange weit vor Mitternacht
wird die Bar schon aufgemacht
und Lehr- und Lehrer:innen
(teilweise in der Werdung)
trinken sich von Sinnen
zum Glück ohne Gefährdung.*
Der Gastgeber im Mantel
kommt fröhlich angeschranzt
eh er wie die Tarantel
zu 90s-Rock auftanzt.
Zur Mittnacht dann der Star
der Party angekommen
eine Ente, wunderbar,
im Paket dahergeschwommen.
Euphorisch in die Lüfte,
dann grobschlächtig zur Erden
wenn man das sieht sagt man „ich würd
am Liebsten Lehrer werden.“

* denn es sind keine Schüler:innen da

19.02.2022 – Schlaf im Hotel

Ins Hotellaken gekuschelt
hat sie mir, die ganze Nacht
etwas liebliches ins Ohr genuschelt
sie hat mit mir gelacht.

Dabei waren noch zwei
sie wollten mit mir flüstern
lagen auf mir wie ein Blei
im Düstern.

Ganz anders als in andren Nächten
schlief ich ganz ruhig in ihrem Schoß.
Umgeben von göttlichen Mächten
von Hypnos, Nyx und Thanatos.

18.02.2022 – Im Zug

Wusch wusch wusch wusch wusch
Haus Haus Wiese Wald Haus Haus
Baum Baum Baum Baum Busch Busch
Im i-zeh-e durch-Deutschland-Saus.
Was für ein Aug- und Ohrenschmaus.

17.02.2022 – Der Sturm

Die Elbe schlägt und peitscht umher
was sie halt tut, wenn Sturme ist.
Hier fahren sicher keine Schiffe mehr –
wenn du mir da die Fähren nicht vergisst!

Die 68 fährt voran,
sie stürzt sich in die Fluten rein
wohl weil sie soll, nicht weil sie kann,
muss das wirklich sein?

Die Passagiere nehmens mit Humor
die Kinos zu, Coronazeit,
so ein Wellenritt, er kommt so vor
wie Achterbahn in Wasserkleid.

Da birst die Scheibe, Wasser schwemmt
Glas und Elbe kommen in die Fähre,
damit bald jeder Fahrgast kennt
den Brackgeschmack der sieben Meere.

Die Leute bleiben stoisch sitzen
erst nach sehr langen Augeblicken
sieht man sie Richtung Ausgang flitzen
„Kann hier jemand mal die Scheibe flicken?“

Viel mehr ist uns heut nicht bekannt –
geht’s allen gut, sind sie benommen?
Und schaffte es das Boot an Land
oder ist es auf’s freie Meer geschwommen?

Schön, wenn mal auch mal was passiert,
so lange man nicht selbst betroffen ist.
Solang keiner sein life verliert,
sonst wär das Leben doch ein Mist.

16.02.2022 – Lll

Du patschst deine Hand auf den Boden
und dann einen Becher, noch besser.
Wenn man in dir wegnimmt fängst du an zu toben
du krabbelst weiter und schnappst dir ein Messer.

Dann ziehst du dich hoch, am Schuhschrankregal
du wankst und du schwankst und du knallst
es ist zwar Nacht, doch du schreist, dir ist alles egal
während du Fingernägel in meine Haut krallst.

Man kennt das schon alles, man ist schon gewöhnt
so ist es der uralte Lauf.
Man macht’s mit, auch wenn man durchaus stöhnt
und wenn du fällst hebt man dich wieder auf.

15.02.2022 – Parallelgedicht

Wer trennt denn so früh das Kalbe vom Rind
Es ist der Bauer, der es nimmt.
Nur kurz hält er es kuschlig warm
dann stopft er Wurst in seinen Darm.

Dem Menschen grauset’s, wenn er’s wahrnimmt
doch leider ist er meistens blind.
Und ohne Mühe, ohne Not
ist er Mitschuld an Kalbes Tod.

Gedanken zum Gedicht: Wer ist eigentlich das wahre Monster – der Erlkönig oder der Mensch?

14.02.2022 – Antitainment

Im TV sehen wir Eiskunststeher
und Schneebretthalbröhrenständer,
im Ersten analysieren sie Zahlendreher
im Zweiten putzt jemand Geländer.
Beim WDR läuft Politik
aber die von Liechtenstein.
Bei Sat1 läuft heute Buchkritik
über die Nebenläufe vom Rhein.
Bei Prosieben zeigen sie einen Mann,
da könnte vielleicht was gehen.
Doch der starrt nur die Kamera an
und fragt „Kann man mich sehen?“
Auf Vox läuft ein Erotikfilm,
aber aus Deutschland, und mit Til Schweiger,
da hol ich mir lieber Coronabazillen,
auf RTL steht ein armloser Geiger.
Da endlich, nach zweihundert Klicken
weißgraues Rauschen, und es störgeräuscht!
Da kann ich endlich geruhsam einnicken,
dein Entertainment kannst du dir knicken,
wenn du denkst ich mag das hast du dich getäuscht.

Gedanken zum Gedicht: Wenn Sie herausfinden, warum dieses Gedicht Antitainment heißt, bekommen Sie Gummis für drei Tage.

13.02.2022 – Fatalistisch verstrahlt

Kennen Sie diese Typen,
die so fatalistisch verstrahlt existieren?
Die mit engen Polypen
durch’s Eckcafé wüten
und sich dabei überhaupt gar kein Stück mehr genieren?

Das ist nicht besonders konkret.
Oder zu sehr, wer kann das schon sagen.
Es klingt etwas schlecht
doch hab ich nicht Recht
und die schlagen so sehr auf den Magen?

Füllen Sie einfach die Stellen
die leeren, das möcht ich ergänzen.
So wie die Typen verprellen
diese unordentlich Hellen
Herren mit ganz kurzen [ ]

Gedanken zum Gedicht: Unkonkret vs Wahllos. Nach der Kippe Pogo?

12.02.2022 – Ächz

Ächz
Krächz
Flöt.
Husthusthust
und Tröt.
Noch mehr Hust
und noch mehr Prust
und Ächz
und Krächz und
Schnief.
Schniefschniefschnief.
Schnief und trief und mief.
Mies, ganz fies,
so Miesfiesmies
HATSCHI –
HATSCHI –
HATSCHI –
so schlimm war’s echt noch nie.

Gedanken zum Gedicht: Immer noch besser eine fette Erkältung als andere Dinge, die so umgehen.

11.02.2022 – Altersringe

Das Alter der Kindes eines Menschen
lässt sich vorzüglich so abschätzen:
Man muss elterliche Ringe unterm Auge zählen
und sie reziprok zum Alter setzen.

Gedanken zum Gedicht: Die Anzahl der Falten und der grauen Haare wachsen jährlich exponentiell, seit Kinder ins Spiel gekommen sind, ebenso die Anzahl der Ringe unter den Augen.

10.02.2022 – Die hecken was aus

Um die Ecke eine Schnecke
kriecht unter die warme Decke.
Um die Ecke eine Zecke
kriecht unter die warme Decke.
„Was ist es, was ich hier entdecke?
Darunter liegt ja schon die Schnecke!“
Um die Ecke eine Schrecke
kriecht unter die warme Decke.
„Was ist es, was ich hier entdecke?
Hier liegt ja schon die Schnecke!
Hier liegt ja schon die Zecke!“
So sitzen sie dann in der Ecke
– die Schnecke, Zecke und die Schrecke –
unter der warmen, warmen Decke
schauen fern, essen Gebäcke,
genießen Ruh‘ auf ihrem Flecke.

Gedanken zum Gedicht: Mehr Kindergedichte gibt es hier.

09.02.2022 – Haies Jagdgesang

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Gedanken zum Gedicht: Ein törichtes Paralellgedicht. 🦈

Das Gedicht des Tages "Haies Nachtgesang" aufgemalt und eingescannt
Gedicht des Tages vom 09. Februar 2022 – „Haies Nachtgesang“ (nicht exakt transkribiert :-))

08.02.2022 – Trübe Haare spalten

Ich rühre in meiner trüben Tasse
der Zucker unten, löst sich nicht.
Ich bin mein einziger Insasse
seh der Tatsache in mein Gesicht.
Vielleicht noch etwas Salz, der Herr,
das Leben reicht noch einen Krug
ich stell mich dumm und etwas quer
nein danke, ich habe schon genug.
Manchmal muss man energisch rühren
nicht spalten jeder Suppe feines Haar
vielleicht auch innige Gespräche führen
dann wird manch Trübes wieder klar.

Gedanken zum Gedicht: Schön wär’s.

07.02.2022 – Verzug

Ich sitze im Verzug nach irgendwo
an meiner Ohrmuschel klebt ein Floh,
rüttelt am Ohrläppchen, sagt leis
ich befände mich auf dem falschen Gleis.

Ich weiß, antworte ich untermütig
vielleicht ist es schon lang zu spät, ich
finde keinen Streckenplan.
Doch auf diesem Weg scheint es zumindest warm.

Der Floh zuckt neutral mit seinen Achseln,
es sei noch nicht zu spät zum Wechseln
dann beißt er mich und trinkt mein Blut
sagt mit vollem Mund, mein Freund, nur Mut.

Ich seh mich um, ganz bluteleer
um mich herum das kalte Meer.
Wer weiß schon, ob es dumm, ob klug
nun steig ich aus aus dem Verzug.

Der Floh, und ich, zwar nicht geheuer,
führt er mich doch ins Abenteuer.

Gedanken zum Gedicht: Schön wär’s.

06.02.2022 – Silberhütchen

Ich trage einen Silberhut
er ist klein und fein
und steht mir gut,
ist elementenrein.

Nur 0,1% sind Kupfer
das ficht mich gar nicht an
und mit einem kleinen Lupfer
bring ich das Hütchen an mich ran.

Tatsächlich ist’s kein echter Hut
es ist ein Hut für Brust!
Er hilft mir gegen Wundenflut
es ist die reinste Lust!

Gedanken zum Gedicht: Womit man sich so befasst – Silberhütchen, Zinnhütchen: Was ist denn nun besser? Nur Frauen mit wunden Brüsten wissen es.

05.02.2022 – Kinderschar, besuchend

Zu Besuch, wie wunderbar
bei Freunden: große Kinderschar!
Vier von dort, drei von hier
ein fröhlich-lautes-buntes Wirr
Jungs jagen sich mit Kitzelfinger
verteilen faustend Nasenschwinger
Mädchen wickeln sich die Haare
und bilden dann illustre Paare
haun den Jungens eins auf Maul
streiten sich dann um den Gaul
am Abend spielen alle wieder
und singen Schmuddelkinderlieder
noch mal streiten, dann im Bett:
„Könn‘ wir länger bleiben? Ist so nett!“
Die Eltern sind halb delirant
ein Glück: Man noch ein Weinchen fand.
Am nächsten Tage setzt’s sich fort:
Mit etwas Glück geschieht kein Mord.

Gedanken zum Gedicht: Es war viel weniger stressig als gedacht und in Wirklichkeit haben alle gut gespielt und gut geschlafen, aber 7 Zwerge auf einem Haufen – da nimmt man ab!

04.02.2022 – Stagnation

Die Herren rennen um ihre Projekte
sie rennen und sie suchen ihre versteckte
Zeit. Dabei hätten sie es nicht so weit,
sie müssten nur richtig hingucken:
Denn wo die Zeit versteckt, kann man hinspucken.
Man müsste es nur tun.
Dann bliebe auch Zeit, sich am Hintern zu jucken.
Und sich am Ende, dann soweit,
auch ein bisschen auszuruhn.

Gedanken zum Gedicht: Man ist immer so unterwegs, so auf 180. Man könnte auch auf 180 sein, aber in die andere Richtung.

03.02.2022 – mü de

Müde, immerzu.
Jeder fragt: Was ist denn, du
wirkst so ganz und gar verpennt.
Dabei weiß jeder, der mich kennt,
dass ich normal bin eine WACHGRANATE.
Jetzt sehn ich mich hinein in zarte
Betten, Decken und Matratzen.
Um dort, denn mein Gesicht ist schief,
zu ratzen.
Weil ich zu wenig schlief.

Gedanken zum Gedicht: Wenn nach einiger Zeit der Belastung das Cortisol abfällt, bleibt nicht mehr viel zu tun, als zu ratzen.

02.02.2022 – Dickes Ei

Er denkt er sei
das dickste Ei
in seiner Birne
das größte Gehirne
er denkt, dass sein Glied
sei so hart wie vom Schmied.
Dabei, in real
ist er eine Qual.
Doch sei es auch drum:
Die Zeit geht schon um.

Gedanken zum Gedicht: Auch heute keine.

01.02.2022 – Wieder vor Ort

Uninspiriert.
Schlecht ventiliert.
Blass, krass und baff,
nicht profiliert.
Nicht proLIferiert.
Assimiliert
zumindest etwas.
Schlechter möbliert
als sonst.
Was du bekommst
wenn du zu viel ondulierst:
halb demoliert.
Wohl kalkuliert.

Gedanken zum Gedicht: Heute keine.

Januar 2022

31.01.2022 – Maske

Zwei Stunden reden durch die Maske
meine Fresse, nicht zu sehen.
Nach zwei Stunden haste
Wunde Nase, muss man nähen.
Luft ist gut, doch etwas faul
die Hübsche muss zum Fenster rennen
achso, die heißt tatsächlich Paul
das war von hier vorne nicht zu erkennen.
Immerhin, die Augen frei
das darf man ja wohl noch sagen
wobei, die sind jetzt auch schon dry
muss bald auch Augenmaske tragen.

Gedanken zum Gedicht: Habe Vortrag in FFP2 halten dürfen. Nicht so schlimm, wie es hier vielleicht dargestellt wird. Nichts jedenfalls, wogegen man demonstrieren müsste.

30.01.2022 – Geheime Botschaft

Fürwahr, so ein Akrostichon
ist manchmal – selten – durchaus schon
charmantes Wortchamäleon
klingeling! läutet das Telefon
es klingelt voller Emotion:
nie schöner war’s Akrostichon.

Gedanken zum Gedicht: Regress in pubertäre Witzigkeit!

29.01.2022 – Sturm

Draußen Sturmflut, innen warm,
Nudeln fröhlich Matsch im Darm,
draußen Peitschen, innen leis‘
auf Nudeln folgt Vanille-Eis
(natürlich heut‘ vegan).

Ist doch schön, dass Obdach da,
trotz Kinderschrei und Quarantäne
wobei, wenn Sturm in meinem Haar,
ich’s dem Wetter auch nicht übel nähme.

Gedanken zum Gedicht: Wir sind tatsächlich (diejenigen unter uns, die nicht in Quarantäne sind natürlich) heute zum Kaufland gegangen. Ich habe Kind 1 wie einen Heliumballon an der kleinen Hand durch die Luft gezogen.

28.01.2022 – Schwanensee, Kinderunterschiede

Noch ist es ruhig, doch wartet schon
in dunklem Wald, im finstren Park
aus Bös‘ und Fies die Emulsion
Der Schwanenzauberer Rotbart!

Kind Eins hoppelt ängstlich umher
schon auf erster Seite, wissend drum
auf Seite zwölf, da wartet wer
der Zauberer! Bisher noch stumm.

Kind zwei sagt auch, es hätte Angst,
doch schreit es mit bedrohlich Händen
„so lange du, Rotbart, noch kannst,
hau ab, du wirst hier sonst verenden!“

Das sagt’s zwar nicht, doch tut es so,
während Kind eins auf Schoße kriecht
unruhig hüpft es, wie ein Floh,
während’s im Raum nach Angstschweiß riecht.

Da kommt er nun, am Schwanensee,
Siegfried schrickt, Kind einse auch,
Kind zwei hat nun eine Idee:
schießt Rotbart Blitze in den Bauch.

„Töte, töte!“, schreit es jetzt
wär’s echt, bin sicher, Rotbart stürbe
würd von Kind zwei in Tod gehetzt,
wenn die Geschichte doch verdürbe.

Am Ende verliert Rotbart dann
und die Kinder werden leiser.
Kind eins war zwar gehörig bang
Kind zwei ist dafür ganz schön heiser.

Gedanken zum Gedicht: Derzeit scheint es so, als würde später Kind zwei Kind eins auf dem Schulhof beschützen, als umgekehrt. Ist auch okay so. Empfehlenswert: Berühmte Musikstücke mit Buch auf CD. Sie waren sehr gebannt.

27.01.2022 – Quarantäne-Terzine

Der Himmel blau, die Menschen mies
als ein junger Mann, sein Name alt
einen andren in die Hecke stieß.

Es ist noch immer kahl der Wald
unten eine Frau mit einem Hund
er zittert leicht, ihm ist wohl kalt.

Wir hängen nur am Fenster und
die Sonne scheint, ihr scheint’s egal
wir drücken uns die Nase wund.

Doch nicht allein, in großer Zahl
hockt die Menschheit nur zuhause
man hat doch leider keine Wahl

Wir hocken bis zur Menopause.

Gedanken zum Gedicht: Immerhin scheint die Sonne und irgendwann darf man vielleicht auch mal wieder unter Menschen.

26.01.2022 – Arschkuh.

Da klopfst du und simst
da bumst du und bimst
da pupst du und stimmt’s
dass du auch Drogen einnimmst?

Man sollte dich aufwecken
dich mit Medikamenten eindecken
und mit Rosenduft beflecken
dann würdest du (vielleicht) checken:

Dass es anders nicht geht,
du Trauerpaket.
Hau ab jetzt, sieh zu
du blöde Arschkuh.

Gedanken zum Gedicht: Dieses Gedicht bezieht sich auf eine spezielle Person.

25.01.2022 – AEIOUÄÖÜ

Dieses Gedicht startet mit einem kurzen Satz.
Es erfordert jedoch, dass ich ratzfatz
mich auf meinen allerwertesten Po Setz.
Und wo ich nun auf meinem warmen Platz
mit meinem allerwertesten Hintern fröhlich Sitz
hoff‘ ich, dass in meinem lieb Wortschatz
sich befindet das liebliche Wörtchen Sotz.
Doch leider ist die Suche für die Katz‘
denn es gibt noch nicht mal das liebliche Wörtchen Sutz.
Auch nicht Sätz und auch nicht Sötz und auch nicht Sütz.
Ich ärger mich und brauch jetzt einen Schnüps.

Gedanken zum Gedicht: Ein Schnaps wäre jetzt nicht schlecht.

24.01.2022 – Das dicke Q, Folge 2

Kinder rennen die Wände hinauf
fressen sich gegenseitig auf
Tassen fliegen an die Wand
die Waffeln sind auch angebrannt
das Kleine leidet nun an Fieber
flog’s Scheißvieh auch zu ihr hinüber?
Die Kinder springen von den Betten
hängen an uns wie die Kletten
schubsen sich gegen die Tische
angeln dann gemütlich Fische
essen angebrannte Waffel
prügeln sich um ihr Geraffel
Das dicke Q hat uns im Griff
gibt dem Leben letzten Schliff.

Gedanken zum Gedicht: ARGH!

23.01.2022 – Was er ist

Eine Raupe wird nicht Schmetterling,
nur weil sie etwas frisst.
Ein Verirrter wird nicht Kartograph,
nur weil er etwas vermisst.
Ein Schwein wird nicht zum Fleische,
nur weil’s immer so war.
Ein Verhörer wird kein Bestseller,
weil weißer Regen wunderbar.

Warum soll ein junger Mann
klug werden, nur weil er spricht.
Warum soll er ein Gelehrter werden
weil er mit Konventionen bricht.
Nur weil er jetzt noch kleiner sei
und nicht neu erfand das Rad,
heißt das nicht, dass schon vorbei
was noch nicht angefangen hat.

Gedanken zum Gedicht: Man kann einem Menschen nur dabei helfen das zu werden, was er ist.

22.01.2022 – Ara #2

Aras am Aralsee,
aber Aale aalen auch.
Anders als alles andere:
Aras am Aralsee.
Antilopen asen artig,
alle am Anfang artig!
Aras am Aralsee,
aber Aale aalen auch.

Gedanken zum Gedicht: Hier handelt es sich um ein Rondell, eine spezielle Gedichtform – glauben Sie nicht? Schauen Sie mal nach bei den Rondellen!

21.01.2022 – Augen

Ich schließe die Lider, Stille erwartend
doch dann sehe ich überall Augen.
An den Wänden und Decken, Schwärze erwartend
sehe ich überall Augen.

Sie sehen mich an, Ängste erwartend
mein Gott, da haben Sie Recht.
Ich rufe nach Hilfe, Antwort erwartend,
vor dem unheimlichen Augengeflecht.

Am Ende hilft nur, das Licht anzulassen
und mit offenen Lidern zu stehen
warum hilft mir nur, das Licht anzulassen?
Und werd ich sie im Traume sehen?

Gedanken zum Gedicht: Von optischen Halluzinationen erzählt bekommen, fand ich gruselig.

20.01.2022 – Geschlagen von der Maschine

Heute war das erste Mal, dass mich eine Maschine schlug
sie war binnen Sekunden da, während ich noch schwer trug
an der Bürde, ein fehlbarer Mensch zu sein.
Sie fiel wie Usain Bolt in das Herz dieser Webseite ein.
Verdammte Maschinen.
Was, wenn sie ab jetzt immer gewinnt?
Vielleicht kann man irgendwie mit dran verdienen.
Für den Moment bin ich erstmal verstimmt.

Gedanken zum Gedicht: (Jukebox spielt Marshall vs. the Machines) Wollte mir eine verfallende Domain sichern. Zuschlagmöglichkeit 8:32 Uhr. Der Bot hat die Domain um 8:32:001 Sekunden gekauft. Verdammte Maschinen.

19.01.2022 – Das dicke Q

Da isses schon, das dicke Q
der staatlich verordnete Geier
der über unser alle Köpfe flog
jetzt hat er uns, Auweia.
Flink wird bestellt
bringt Bier dem Aussatz
damit man Chuzpe behält
und nicht wild rumfatzt.
Immerhin, war Pieks davor
deshalb nur langelangeweilen
das übersteht man, irgendwie
man hängt nur etwas in den Seilen.

Gedanken zum Gedicht: PCR in der Kita. Kontaktkind.

18.01.2022 – Kein Coronagedicht

Muss man auch mal ein Coronagedicht verfassen?
Ich find‘ man kann’s auch lassen.
Lieber über Schönes dichten
Vergissmeinnicht und Fichten
über Sonnenstrahlen auch
und Schmetterling im Liebesbauch
und über Kuscheln,
und Haare wuscheln
und – aber das geht ja nicht.
Abstandsgebot, Maskenpflicht.
Sehn wir der Wahrheit ins Gesicht:
es wird eben doch ein Coronagedicht.

Gedanken zum Gedicht: Schnelltest in der Kita. Kontaktkind?

17.01.2022 – Ein paar Spuren

Wieder hier, zu nichts bereit
ich schaue raus, es schneit
also hinterlasse ich wohl doch
ein paar Spuren – noch.
Alles andere wird mich vergessen
das ist okay, muss mich nicht stressen,
doch ja, es ist jetzt Zeit zu gehen.
In den Schnee. Dort bleib ich stehen.

Gedanken zum Gedicht: Macht wenig Spaß auf einer Arbeit rumzuhängen, bei der keine Zukunft besteht.

16.01.2022 – Ara

Aha!
Ein Ara!
Ara am Aralsee!
Aber Achtung! Aale! Aaaaaaaale!
Aaaaaaaaaaah!!!

Gedanken zum Gedicht: Streng genommen ist dies ein Elfchen. Heute schrieb ich mehrere absurde Elfchen, immer als Tryptichon. Schauen Sie mal rein bei den Elfchen.

15.01.2022 – Ungebetener Gast

Sie ist ein ungebetener Gast
den wir aus Not und Elend bei uns haben.
ist uns ein Kummer, ist uns Last
liegt uns wie Lebertran im Magen.

Sie glaubt, dass sie uns Hilfe ist
welch Hohn, mein Gott, welch Hohn
denn sie ist Ärger nur, ist Zwist
sie ist die dunkelste Option.

Schon morgen zieht sie wieder fort
dann kommt das Licht zurück hierher
doch der Nagel, den sie in uns bohrt
lässt uns kalt zurück, und leer.

Ich hoffe, sie kommt nimmermehr.

Gedanken zum Gedicht: Heute keine Gedanken.

14.01.2022 – Turnen

An die Ringe springen
hinfallen, zwei Lieder singen
über Blöcke und Vario
Faust hoch wie Supimario
Schaukel von den andern klaun
Schwester auf die Nase haun
Netze klettern, fallen lassen
sich selber an die Nase fassen
Was für eine bunte Chaostüte
Kinderturnen, meine Güte!

Gedanken zum Gedicht: Ich denke, es spricht für sich. 2G+-getestete Eltern und zwanzig eitrige Rotznasen, die auf Klettertürmen gegeneinander dengeln. Großer Spaß!

13.01.2022 – Kuchengedicht

Ich könnte den Kuchen
verfluchen
er zaubert mir soviel Kalorinn
dahin.
Auf den Bauch
und die Hüfte auch
und
er ist nicht sehr gesund.
Verdammter Zucker!
Mir geht der Blutdrucker
hinauf
und das ist schlecht.
weil der Kuchen sich erfrecht
mir Kalorinn zuhauf
zu schenken.
Ich muss meinen Konsum mal überdenken.
Oder ich werd mich mit nem Stück
Schokoladenkuchenglück
erstmal ablenken.

Gedanken zum Gedicht: Als zuckersüchtiger Mensch hat man es schwer, wenn man über 30 Jahre alt ist. Erst Recht, wenn die eigene Ehefrau schlank wie eine Spargelstange ist, obwohl sie kiloweise Kuchen backt.

12.01.2022 – Babys kurzer Schlaf

Sie ist müde, und legt sich nieder
drei Augenblicke nur, schon ist sie wieder
wach, und schreit uns an.
Drei Minuten nur, und dann
ist sie schon wieder müde.
Das ist so ohne Maßen rüde
das ist so ohne Maßen schlecht!
Das ist so außerordentlich gemein!
Doch wir machen es ihr Recht.
Denn so muss es wohl sein.

Gedanken zum Gedicht: Man sollte meinen, man gewöhnt sich nach drei Kindern an diese Phasen. Aber nein. An Schlafentzug kann man sich nur sehr schlecht gewöhnen. Dieses rüde Kind!

11.01.2022 – Die Tante

Die Tante ist
so groß im Auge des Betrachters.
Sie säße am Bug
oder am Heck?
Eines olympischen Achters.
Jedenfalls dort, wo man sie sieht.
Oder dort wo man in Reih und Glied
marschiert, dort geht sie vorne
um gesehen zu werden, klar.
Jedoch, es ist verlorene
Mühe, sie ist eine Dorne
in meinem Fuß, und das schon im zweiten Jahr.
Die alte Tante ist
ein Auslaufmodell, schlicht,
sie weiß es nur noch nicht,
und sie will es auch nicht wissen.
Ich werde sie nicht vermissen.

Gedanken zum Gedicht: Gewollt kryptisch. Über eine gewisse Dame.

10.01.2022 – Ein langes Fenster

Ein sehr langes Fenster:
dahinter nur Dunkelheit
wer lebt dahinter und
steht man dort aufgereiht?
Schemenhaft bewegt sich was
ein kleiner Mensch, so scheint’s
läuft nach oben, sucht vielleicht
nach dem Sinn des Seins.
Daneben: Noch mehr Fenster.
Gerade ist niemand zu sehen.
Vielleicht wohnen dort nur Gespenster.
Man müsste mal herübergehen.

Gedanken zum Gedicht: Nur eine kleine Betrachtung eines großen Fenster auf der gegenüberliegen Seite. Milchglas.

09.01.2022 – Immer noch Missmut

Es regnet den ganzen Tag.
Scheiße.
Das Sauerkraut schmeckt fad.
Ich weiß, ich weiß, ich heiße
auch bald Sauertopf, für meine Sippe.
Im Fernsehn ist auch nichts zu sehen,
nicht mal fern, nicht mal ne Titte,
könnt wohl doch nach draußen gehen
hol ich mir halt die Grippe.
Es regnet den ganzen Tag.
Ich kratze mich am Bart.

Gedanken zum Gedicht: Es regnet den ganzen Tag. Scheiße.

08.01.2022 – Über den Kopf

An machen Tagen geht dir alles über den Kopf:
Du bindest deinem Söhnchen nicht den Schuh,
du bindest deiner Tochter nicht den Zopf.
Das Problem jedoch sind nicht die beiden: Es bist du.

Früher bliebe man an solchen Tagen
einfach den ganzen Tag im Bette kleben.
Mit Kindern, das kann ich dir mit Bestimmtheit sagen:
ist dies keine Art, zu überleben.

An manchen Tagen herrscht ein Tiefdruckgebiet in deinen Räumen.
Du moserst rum und machst alles anders, als du wünschst.
Dann hilft es manchmal herauszugehen. Zu den Bäumen.
Auch wenn du die Erschöpfung nur zwei Stunden übertünchst.

Gedanken zum Gedicht: Wenn Sie dieses Gedicht lesen und Eltern sind (vor allem dann, wenn die Kinder noch klein und die Zeit Ihnen nicht eine entspannte Vergangenheit vorgaukelt), wissen Sie vielleicht, worum es geht. Manchmal ist man einfach nur erschöpft. Heute ist wohl so ein Tag gewesen.

07.01.2022 – Boostpower

Der Arm, er schmerzt, der Kopf,
er ist so müd und schwer.
Jedoch: Das alte Scheißvirus, es herzt
mich jetzt wohl gar nicht mehr.

Danke, Pharma, für das was du uns tatest,
es hat Gewicht.
Wenn du allerdings auf Überschwang wartest:
Den kriegst du nicht.

Gedanken zum Gedicht: Gestern Booster erhalten, heute etwas träge. Vor der Pandemie gab es über „Big Pharma“ viel Negatives zu hören. Nun sind – zum Glück vor allem der kleine sympathische Hersteller aus Mainz – alle ziemlich versöhnlich geworden, immerhin hat uns die Pharmaindustrie „gerettet“. Aber: Noch immer bleibt viel zu tun. Billige Medikamente für arme Länder, weniger Pestizide, usw. Es ist noch was zu tun.

06.01.2022 – Bimbam

Ach du heiliger Drei Königsbimbam
jetzt ist der schöne Weihnachtsklingklang
wohl endgültig vorbeigegang‘.
Zeit, was Neues anzufang‘.

Gedanken zum Gedicht: Der Weihnachtsbaum ist endlich entschmückt an die Straße gestellt, wo ihn eifrige Mitarbeiter der Stadtwerke ihn abholen kommen. Die Anti-Weihnachtselfen quasi – genau die Helden, die Hamburg am Dreikönigstag verdient! Danke.

05.01.2022 – Brennen, Sod

Der Kaffee brennt im Ösophagus
er hat dem Magen nicht geschmeckt.
Es ist, als ob garstige Walnuss
aus Säure mir im Halse steckt.

Ich greife rasch zum Antazidum
das sich todesmutig schlucken lässt
es rührt im Magen, larum, lirum,
Löffelstiel, schon weg die Pest.

Vielleicht sollte ich nächstentagens
auf den fünften Kaffee mal verzichten
zur Freude meines lieben Magens?
Ach nein, das Antazidum wird es richten.

Gedanken zum Gedicht: Der Kaffee allein wäre doch gar nicht das Problem. Aber der Zucker! Das Fett! Das Salz! Es ist eine Qual mit dem Sodbrennen.

04.01.2022 – Das Neue macht ihr keine Angst

Du bist so schnell weg gewesen
ein paar Worte nur gelesen
dann fielen dir die Augen zu.
In der Wohnung: Endlich Ruh‘.

Das Neue macht dir keine Angst,
doch was du nicht verhindern kannst
ist der Stress, den es dir bringt.
Der dein eigentliches Schlaflied singt.

Zwei Stunden nur, schon wimmerst du
erzählst von deinem gelben Schuh –
irgendwer hat ihn geklaut.
Das hast du scheinbar schlecht verdaut.

Die ganze Nacht geht das so weiter:
Mal weinst du laut, dann bist du heiter
du träumst und träumst, holst alles auf.
Und wir nehmen es in Kauf.

Es heißt, dass es bald besser würde –
du lebst vorerst mit dieser Bürde.
Du kannst nicht sagen, was du magst.
Ob du die Zukunft gern vertagst?

Gedanken zum Gedicht: Die Mittlere kam in eine neue Kitagruppe. Dort ist deutlich mehr los als vorher. Es gefällt ihr, aber es nimmt sie auch merklich mit. Sie schläft so schlecht wie seit der Säuglingszeit nicht mehr.

03.01.2022 – Wände aus Glas

Riesige Wände, aus Glas.
Nach außen, nach innen.
Blick über die Stadt, das war’s
noch nicht, das kann nicht stimmen.
Auch darin muss etwas sein,
ich kann es nur nicht sehen.
Ein Glück vielleicht, ein Sommerhain,
vielleicht ein laues Lüftchen, drin zu wehen.
Hier kann ich nicht bleiben, nein,
oder ich darf es nicht, wer weiß das schon
manche Dinge müssen wohl so sein
und mir bleibt nur der Blick zum Telefon.

Gedanken zum Gedicht: Ich bin an einer neuen Stelle angekommen, in einem supermodernen Büro. Dort werde ich aber nicht lange bleiben. Aber wohin geht es dann?

02.01.2022 – Gedicht über das Busfahren

Bist du schon mal mit drei kleinen Kindern
in einer sehr, sehr großen Stadt Bus gefahren?
Ich kann dir sagen – und ich will deine eigenen Erfahrung nicht mindern ! –
dass die drei Geburten auch nicht sonderlich viel schlimmer waren.

Na gut, ich bin nun nicht die Frau, die das belegen kann.
Ich saß auch damals nur daneben, stumm zu leiden,
einen Rat kann ich doch geben, so von Mann zu Mann:
Mit Kindern Bus fahrn und gebären solltest du verdammt nochmal vermeiden.

Gedanken zum Gedicht: Dieses Gedicht enthält eine Hyperbel! Selbstverständlich ist Bus fahren mit Kindern nicht so hart wie ein Kind zu bekommen! Meine Frau ist dreimal fast gestorben (ein Mal ohne Hyperbel). Und trotzdem: Wer es gewöhnt ist, im Auto zehn Minuten zum Schwimmbad zu fahren und jetzt 45 Minuten mit dem Bus inklusive Fußwegen und Regen braucht – der kann verstehen, warum es heute um dieses Thema ging.

01.01.2022 – Vorsätze

Die Pizzareste mussten weg,
die Chipstüte war noch nicht leer.
Ich spülte nicht mal das Besteck
bin noch der Gleiche, weiß nicht, wer.

Die ersten Vorsätze zerrissen:
schlecht gefrühstückt, nicht gereinigt.
So startet es, das Jahr, beschissen,
mal sehen, wie es mich noch peinigt.

Gedanken zum Gedicht: Ich nehme mir jedes Jahr viel vor. Eher so der Selbstverbesserungstyp als der Zufriedenheitsmensch. Am Abend trafen wir Nachbar B., den ich fragte, was er sich denn vorgenommen habe. Überhaupt nichts, meinte er. Er sei ganz zufrieden mit sich und seinem Leben. Beneidenswert.